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SWR2 Wort zum Tag

Auf dem Teich – oder eigentlich schon mehr im Teich –  schwamm eine Biene.  Eigentlich hatte ich nur gesehen,  dass da was Kleines ziemlich hektisch herumzappelte auf der Wasseroberfläche.  Keine Biene geht schwimmen.  Muss wohl beim Trinken abgerutscht sein.  Wer weiß. Jedenfalls ist sie kurz vor dem Ertrinken.

Es war eigentlich nur ein kleiner Teich –  aber doch zu groß, als dass ich hätte hinlangen können.  Und kein Ast weit und breit, den ich zur Rettung hätte einsetzen können.  Aber da: Ein paar Grashalme schwimmen ganz in der Nähe von Biene in Not.  Ob sie die gesehen hat und hinpaddelt –  oder ob es nur Zufall ist und ein bisschen günstiger Wind:  Die Biene stößt an einen der Grashalme;  und weil der halb unter Wasser schwimmt,  kriegt sie ihn zu fassen und klettert hinauf.

Gerettet? Leider ist wohl zu wenig Zeit, um die Flügel zu trocknen.  Oder sie ist einfach nur erschöpft und ungeschickt –  jedenfalls purzelt sie noch mal ins Wasser.  Schade – aber gerade, als ich sie verloren geben will und weitergehe,  hat die kleine Biene schon die nächste Gelegenheit ergriffen,  hat einen neuen Halm bestiegen  und ist diesmal ein wenig geschickter ins Trockene gekommen.

Flügel ausgebreitet, damit sie schnell trocken werden,  ein paar Mal auf und zu gefaltet, wie zum Test –  und dann fliegt sie in kleinen Spiralen steil fast senkrecht hoch  und verschwindet – sicher an ein ruhiges und sonniges Plätzchen,  damit sie sich erst mal putzen und ganz trocken werden kann. 

Ich blieb unten am Boden, klar.  Und bin dankbar an meinen Schreibtisch zurück gegangen.  Ich hatte so was wie ein kleines Wunder gesehen –  nur als Zuschauer; keine Chance, selbst zu helfen.  Hätte ich natürlich getan, für Schwester Biene.

Von Franz von Assisi erzählt man das ja:  Eilig unterwegs hält er plötzlich an, geht ein paar Schritte zurück  und hebt eine Schnecke oder eine Ameise vom Boden auf  und setzt sie am Wegrand ab –  damit dich keiner aus Versehen tottritt, liebe Schwester.

Nur: ich mit den Büroklamotten in den Teich im Park – für eine Biene?  Aber die – und vielleicht ja die ganze Schöpfung mit ihr –  sie kann sich anscheinend auch ganz gut selber helfen.  Vielleicht sollten die Menschen sie sowieso lieber öfter mal in Ruhe lassen.

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