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SWR2 Wort zum Tag

Dieser Heilige hätte irgendwie auch in unsere Zeit gepasst. Er hieß Franziskus – aber das war’s nicht unbedingt. Er soll auf seinem Mantel sozusagen über die Straße von Messina gesurft sein – schon das Surfen wäre modern – und das Mittelmeer zu überwinden auf dem Weg in eine neue Heimat: ist ein großes Thema unserer Zeit. Franziskus von Paola hat er geheißen;  und im frühen fünfzehnten Jahrhundert, also ein halbes Jahrtausend vor heute, einen Orden gegründet,. dem er  sozusagen eine Franziskus-Regel plus gegeben hat: Radikale Armut –  das war schon Lebensregel der Minderbrüder des heiligen Franz von Assisi; Ehelosigkeit und Gehorsam sowieso – wie bei allen Mönchen und Nonnen.

Aber ganz modern – und wirklich: Schon vor fünfhundert Jahren – wurde es so: Franz von Paola tat ein viertes Gelübde hinzu:  der Genuss von Fleisch ist untersagt; und alle anderen Tierprodukte wie Eier, Fett, Butter, Käse und Milch auch. Vegan heißt eine solche Lebenshaltung heute. Und spricht von einer ganz radikalen Achtung  vor allem Leben mit Fleisch und Blut. Angesagt, übrigens, schon ganz am Anfang der Bibel. Da gibt Gott dem Menschen alles zur Nahrung, was auf der Erde wächst und aus der Erde heraus. Alle Pflanzen. Punkt.

Vegan ist die erste Schöpfungsordnung. Dass die Menschen sich dann auch von Tieren  und von tierischen Produkten ernähren darf,  das ist erst Teil der zweiten Schöpfung.  Nach dem Weltuntergang durch die große Flut,  der nur Noach entkommen war und seine Familie und ihre Herde aus allen Tieren der Welt. Da war Ende mit vegan. Erzählt jedenfalls die Bibel.

Franziskus von Paola und seine Ordensbrüder  haben sich auf den Ursprung zurückbesonnen – ob das so gemeint war oder nicht, ist ja schon fast egal.  Aber dass heute so viele Menschen das vegane Leben wieder entdecken und damit auch ein Stück neue Achtung vor den Tieren als unseren Brüdern und Schwestern:  das bringt ja auch die Debatte darüber wieder auf den Tisch, ob es der Verantwortung der Menschen für die Schöpfung noch entspricht, wie Landwirtschaft und Handel und alle Menschen,  die Fleisch essen und sich von Käse und Milch ernähren –  wie die Menschen heute mit den Tieren umgehen.

Die Paulaner, und da zeigt sich, dass vegan und lebensfroh zusammenpassen, haben wohl auch das Starkbier miterfunden –  besonders nahrhaft in der langen Fastenzeit. Noch heute erzählt der Name des Brauhauses von ihnen. Vielen Dank also an Franziskus und seine Mindestbrüder –  und ein veganes Prosit mitten in der Fastenzeit!

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