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SWR2 Wort zum Tag

Ich gebe zu: Das mit dem Autofasten ist mir ja nun eher leicht gefallen. Also diese Aktion der katholischen Bistümer  und der evangelischen Landeskirchen im Südwesten und in Luxemburg: Vier Wochen oder gleich die ganze Fastenzeit das Auto stehen lassen und lieber zu Fuß oder mit Bus und Bahn zur Arbeit und zum Einkaufen und in die Mucki-Bude: ist bei uns sowieso Alltag.

Also: rempe hat’s leicht, zum Autofasten einzuladen; und überhaupt: bei denen in der Stadt geht das ja vielleicht. Aber bei uns auf dem Land – zu weite Wege zur Arbeit und zum Einkaufen; und ein Bus morgens und einer abends – wer soll da Autofasten können!? Solche Fragen hören die Kirchenleute jedes Jahr,  wenn sie wieder einladen, für ein paar Woche auf’s Auto zu verzichten.

Aber hallo, liebe Leute, es geht auch ohne Totalverzicht! Also: Auf dem Land zusammen mit Nachbarinnen oder Nachbarn oder mit Kollegen aus dem Nachbardorf eine Fahrgemeinschaft bilden, sich zeitlich ein bisschen aufeinander abstimmen –  und eben mit einem statt vier SUVs in die Stadt zur Arbeit oder abends zur Party fahren: Sowas geht –  ist zwar anspruchsvoll, aber möglich. Ganz zu schweigen davon,  wie schön eine Party sein kann, wenn der Nachbar fährt und ich meinen Führerschein außer Gefahr weiß. Na gut – wer in der Fastenzeit sowieso auf Alkohol verzichtet,  hat da weniger davon.

Aber es geht ja um mehr als nur die paar vierzig Tage zwischen Aschermittwoch und Ostern. Autofasten kann nur ein Anfang sein –  so wie viele andere Übungen in der Fastenzeit auch. Eine Zeit, in der ich mal erleben kann, dass es geht – und die mir Lust macht, auch weiter ein bisschen besser zu leben und die Schöpfung zu bewahren und den Mitmenschen weniger Lärm und Gestank und Stau zuzumuten.

Weil es nämlich in der Stadt jedenfalls so viel angenehmer sein kann und   – manchmal sogar auch schneller. Und weil ich im Bus noch ein paar Neuigkeiten aus der Nachbarschaft erfahre – und in der nachbarschaftlichen Fahrgemeinschaft sowieso… Und weil alle, die mitmachen oder mitgemacht haben, vielleicht auch die Politiker in Land und Kommune mal wieder drauf bringen, dass vieles besser werden muss: Dichter getaktete Bus- und Bahn-Fahrpläne etwa, extra-Parkplätze für Fahrgemeinschaften und so weiter. Sichere Radwege; billigere Tickets für alle. Doch, das geht – es müssten nur paar mehr Leute wollen!

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