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SWR2 Wort zum Tag

Welches Leben ist lebenswert? Eine komplizierte und schwer zu beantwortende Frage. Eine Frage, die sich mir wieder aufgedrängt hat. Durch die Krankenhausserie Charité.

Derzeit läuft die zweite Staffel im Fernsehen. Sie spielt in den letzten Jahren des zweiten Weltkriegs in Deutschlands berühmtestem Krankenhaus. Gezeigt werden nicht nur Menschen und ihre Schicksale. Erzählt wird in der Serie auch von den Auswüchsen der nationalsozialistischen Medizin.

Es sind wahrhaft dunkle Zeiten. Ärzte, die einmal ihre Arbeit voller Idealismus für Kranke angetreten hatten, sie werden jetzt zu Handlangern der NS-Rassengesetze. Sie werden zu Wegbereitern und Mittätern einer menschenverachtenden Medizin. Statt Leben zu retten, werden Behinderte und Kranke, Homosexuelle oder politisch Andersdenkende aus dem ‚Volkskörper‘, wie es heißt, ‚ausgesondert‘. Leben wird in lebenswertes und unwertes Leben unterschieden.

Nach christlicher Überzeugung ist diese Unterscheidung grundfalsch. Menschen sind überall und unter allen Bedingungen gleich viel wert. Davon erzählen etwa die biblischen Schöpfungsgeschichten. Hier ist der Mensch gut, „sehr gut“ sogar. In Gottes Augen ist der Mensch unendlich wertvoll. Ohne Wenn und Aber. Unabhängig davon, was er leistet, kann oder weiß, ob er gesund oder krank ist.

Viele Christen haben diese Überzeugung immer wieder vergessen. Sie haben etwa auch im Nationalsozialismus die Ideologie über den Glauben an den Wert eines jeden Menschen gestellt. Und bis heute gibt es genug Christen, die Leben unwürdig behandeln. Umso wichtiger ist es, daran zu erinnern, dass jedes Leben vor Gott gleich viel zählt – nämlich alles.

Charité ist deshalb nicht nur eine Serie über ein düsteres Kapitel deutscher Geschichte. Sie stellt auch die Frage, wie denn heute mit Menschen umgegangen wird. Kann es sein, dass Flüchtende im Meer ertrinken, dass sich jedes Jahr zehntausend Menschen selbst töten, dass Tausende zu Opfern im Straßenverkehr werden? Denn hier zeigt sich doch in ganz unterschiedlichen Situationen, dass das Leben nicht genug gewürdigt wird. Und mir stellt sich die Frage, was ich tue, dass klar wird: Jeder Mensch ist unendlich wertvoll, jedes Leben ist lebenswert.

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