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SWR2 Wort zum Tag

Wie war die Nacht? Gut geschlafen? Durchgeschlafen? Oder immer wieder aufgewacht? An Schmerzen? Oder aus innerer Unruhe? Von Gedanken, die einen nicht zur Ruhe kommen lassen: Was habe ich versäumt? Was macht mir Angst, wenn ich an den nächsten Tag denke?

Ich weiß von vielen Menschen, wie sehr sie sich nach dem Morgen sehnen. Denen die Nacht nicht eine Nacht-Ruhe - sondern eine Zeit der Un-Ruhe ist. Die nachts aufstehen – und in der Dunkelheit nach der Zeitung schauen. Oder mit einem Buch wieder müde werden wollen. Und dann doch nicht wieder einschlafen können.

Für viele ist die Nacht eine Qual – in Krankenhäusern oder daheim. In solchen Nächten ist die Morgendämmerung ein ersehntes Ziel, wie eine Befreiung. Das Dunkel verzieht sich, es wird allmählich hell.
Morgenröte. Es wird Licht. Der Tag bricht an - ist nicht mehr weit. Und wenn dann die Glocken läuten – ist das für viele Nachtgeplagte ein Trostzeichen: Geschafft! Ein neuer Tag ist angebrochen und ich bin dabei!

Mir geht das auch so: Jeder Morgen ist für mich wie ein Moment von Auf-Erstehung, wie ein kleiner Ostermorgen: Mein Leben beginnt neu – und was mich über Nacht nicht hat ruhen lassen – das bleibt erst einmal im Dunkeln zurück, wie hinter einem Vorhang - ist erst einmal dahinten.

Freilich: Die Sorgen und der Ärger haben sich nicht in Luft aufgelöst. Schmerzen kommen wieder. Ängste auch. Und manches wird mir den Tag über nicht leicht fallen. Aber erst einmal steht für diesen Moment des Tagesanbruchs alles in einem neuen Licht: Neustart. Noch einmal ist mir das Leben geschenkt.

Vor mir liegt ein neuer Tag und ich bin dabei. Ein Lächeln in den Spiegel kann das Beschwerliche der Nacht aus meinem Gesicht wischen, vertreiben. Manchmal muss ich mir dazu auch einen kleinen Ruck geben. Schau nicht so miesepetrig!
Ja, ein neuer Tag ist da, an dem so viel neu – hell - werden kann. Durch einen Anruf oder eine Mail. Mit einem Besuch oder einer Verabredung.

Am Abend dann wünsche ich mir: die hellen Erfahrungen vom Tag sollen weiter leuchten. Bis in den Abend – bis in die Nacht hinein. Ich rufe sie mir in Dankbarkeit vor Gott manchmal bewusst in Erinnerung. Damit das Dunkle der Nacht nicht Dunkel bleibt.

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