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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Hast du einen Opa, dann schick ihn nach Europa“. Als 1979 das erste Europäische Parlament gewählt wurde, war das ein satirischer Blick auf die Auswahl der Kandidaten. Altgediente Politiker, für die man keine Verwendung mehr hatte, lobte man weg ins Europaparlament.

Das war zumindest der Eindruck der Kabarettisten. Und ich muss ehrlich zugeben: lange Zeit stand das politische Europa bei mir auch nicht ganz oben auf der Liste der wichtigen Themen. Und die Europawahl habe ich schon mal geschwänzt. Das hat sich aber spätestens in diesem Jahr total geändert. Auf keinen Fall möchte ich im Mai das Feld den rechten Populisten überlassen, die Europa als Gefahr für ihr eigenes Land ansehen.

Was geschieht, wenn Nationalstaaten nur auf ihrem eigenen Interesse beharren, hat Europa in vielen Kriegen leidvoll erfahren müssen. Dass wir jetzt über 70 Jahre in Frieden leben, haben wir weitsichtigen Menschen zu verdanken wie dem französischen Unternehmer Jean Monnet. Der hatte 1950 die Idee zu einer Wirtschaftsunion, aus der sich dann unser Europa von heute entwickelt hat. Von diesem Mann stammt ein Satz, den ich mir gemerkt habe: „Alle unsere Anstrengungen sind die Lehre unserer historischen Erfahrung: Nationalismus führt zu Rassismus und Krieg“. Und ein anderer Mann, Roger Schutz, hat seine ökumenische Gemeinschaft von Taizé nach dem Krieg auch gegründet, um Menschen unterschiedlichster Nationen zu versöhnen. Da treffen sich Gustav aus Schweden und Lena aus Polen mit Daniel aus England und Madalena aus Portugal, leben, beten und singen eine Woche miteinander.

Wer die Kraft einmal spüren will, die von dieser Gemeinschaft ausgeht, der sollte sich die Zeit gönnen und Taizé, diesen kleinen Ort in Burgund mit dem Zentrum der Brüder besuchen. Und nach kurzer Zeit wird er wissen, was für ein Gewinn ein einiges Europa sein kann. Und er wird verstehen, was die Gründungsmütter und -väter Europas im Blick hatten. Die wussten: Nur ein einiges Europa ist ein friedliches Europa.

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