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SWR2 Wort zum Tag

Wenn Musiker miteinander Musik machen, dann müssen sie zuerst ihre Instrumente stimmen. Das ist gar nicht so einfach, aber mit der Zeit lernt man, genau hinzuhören, damit es am Ende gut zusammenklingt.

Was für das Zusammenspiel der Instrumente gilt, stimmt auch für uns Menschen. Wir können nur harmonieren , wenn wir uns immer wieder aufeinander einstimmen.  Sonst reden wir aneinander vorbei, vergreifen uns – oft unbeabsichtigt - im Ton und sind am Ende verstimmt.

Solche Situationen kenne ich allzu gut. Etwa wenn ich beim Heimkommen mit etwas konfrontiert werde, und noch gar nicht richtig da bin. Ich fühle mich dann schnell angegriffen, ein Wort gibt das andere, und schon entsteht ein Streit, der die Atmosphäre nachhaltig vergiftet.

Wie könnte man sich in so einer Situation besser aufeinander einstimmen?

In der Musik ist es dafür wichtig, den eigenen Ton und zugleich den des andern zu hören.

Den eigenen Ton zu hören, hieße erst mal wahrzunehmen: in welcher Verfassung bin ich gerade? Mir hilft es dabei, kurz innezuhalten und durchzuatmen. Gerade in Stresssituationen ist das wichtig, um nicht nur blind zu  reagieren. Mein Atem bringt mich in Kontakt zu meinem Körper und zu meinen Gefühlen. Bin ich gerade angespannt oder gelassen,  freudig oder bedrückt, ausgepowert oder voller Tatendrang? Durch diese Selbstwahrnehmung  werde ich auch sensibler für den „Ton“ des andern. Für seine Stimmung. Sich aufeinander einzustimmen ist ein wechselseitiger Prozess. Oft treffen wir aus ganz verschiedenen Welten und Gefühlslagen zusammen und müssen erst  auf „Empfang“ umschalten, um beieinander anzukommen. Nichts wollen, sondern nur wahrnehmen, was ist. Das fällt uns nicht leicht. Diese Haltung der Achtsamkeit, die aus der buddhistischen Meditationspraxis kommt, steht im Widerspruch zu unserer Zeit, wo wir möglichst viel gleichzeitig erreichen und erleben wollen. Und dabei oft das Wesentliche aus dem Blick verlieren.

Deswegen lädt die katholische Kirche Paare dazu ein, eine Zeitlang dieses Wahrnehmen in einer achtsamen Haltung bewusst einzuüben. Über sieben Wochen können sie sich dazu Briefe mit Impulsen und Übungen zuschicken lassen. 7Wochenachtsam heißt das Projekt, das in der Fastenzeit startet. (www.7Wochenachtsam.de) Damit das Zusammenspiel mit den je eigenen Tönen gelingen kann.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=27996