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SWR3 Worte

Bertolt Brecht war einer, der gekämpft hat dafür, dass die Verhältnisse sich verändern. Aber immer wieder ist er verzweifelt, an dem wie es ist. Manchmal geht mir das auch so, dann staune ich wie aktuell ein Gedicht von 1931 sein kann:

Ich höre, dass in New York
An der Ecke der 26. Straße und des Broadway
Während der Wintermonate jeden Abend ein Mann steht
Und den Obdachlosen, die sich ansammeln
Durch Bitten an Vorübergehende ein Nachtlager verschafft.

Die Welt wird dadurch nicht anders
Die Beziehungen zwischen den Menschen bessern sich nicht
Das Zeitalter der Ausbeutung wird dadurch nicht verkürzt
Aber einige Männer haben ein Nachtlager
Der Wind wird von ihnen eine Nacht lang abgehalten
Der ihnen zugedachte Schnee fällt auf die Straße.

Aber die Welt wird dadurch nicht anders
Die Beziehungen zwischen den Menschen bessern sich dadurch nicht
Das Zeitalter der Ausbeutung wird dadurch nicht verkürzt.

Bertolt Brecht, Ausgewählte Werke in sechs Bänden, Werke 4, Gedichte 2

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