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SWR4 Abendgedanken

Nach Weihnachten fühle ich mich immer leicht verkatert. Nicht vom vielen Glühwein, sondern von den ganzen Familienfestivitäten, den hitzigen Diskussionen und ständigen Scherzen meines Vaters. Ich bin dann immer ganz froh, wieder zu Hause in meinen eigenen vier Wänden zu sein und einfach nur gedankenverloren aus dem Fenster zu starren. Meine Tochter sieht das ganz anders. Sie will am liebsten wieder zurück zu ihren Großeltern. Wenn es nach ihr ginge, bräuchte sie niemals eine Pause von Momo und Budi – so nennt sie ihre Großeltern. Und das sind laut ihr die besten Menschen der Welt.

Warum sind gerade diese Beiden ihren Lieblingsmenschen geworden?

Kinder brauchen neben ihren Eltern natürlich auch noch andere Bezugspersonen. Wir haben Gott sei Dank gute Freundinnen und Freunde, die unsere Töchter lieben, auf die sie sich verlassen können und sogar öfter treffen als ihre Großeltern. Warum also sind es dann doch die Großeltern, die unseren Töchtern am wichtigsten sind?

Wenn ich sie miteinander beobachte, dann wirken sie unheimlich entspannt und gelassen, irgendwie so zeitlos. Sie spielen gemeinsam, lachen ausgelassen, kuscheln, kochen zusammen das Mittagessen und erkunden jede Ecke des Hauses. Meine Eltern lassen sich voll und ganz auf die Mädels ein, als gäbe es um sie herum kaum mehr etwas anderes. Kein Zeitdruck, kein Leistungsdruck, keine Erwartung. Ein Ort, an dem meine Töchter so sein können wie sie sind – und das genießen die beiden sehr. Und ich glaube, wie anstrengend es auch für meine Eltern mit zwei kleinen Kindern sein mag; auch die beiden genießen, dass sie für ihre Enkelinnen die Größten sind.

Das weckt in mir ein tiefes Gefühl der Gelassenheit – was mir eigentlich als Mama in meinem Alltag oft fehlt. Ich spüre dann, dass ich nicht alleine bin. Dass es neben meinem Mann und mir noch zwei Menschen gibt, die für meine Töchter da sind, wenn es brennt. Die mir signalisieren: Entspann dich, bleib auch mal locker. Sei du auch mal wieder Kind. Und genau das spüren meine Töchter: Dass ihre Mama auch mal wieder Kind sein kann. Gemeinsam mit meinen Töchtern. Und das ist für mich eigentlich das schönste Weihnachtsgeschenk.

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