Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR2 Wort zum Tag

Ganz selbstverständlich halten wir den Advent, diese gut drei Wochen im Dezember bis zum Weihnachtsfest für eine Warte-Zeit.  Und Warten – das ist vielen eher lästig. Verlorene Zeit, wenn die Bahn mal wieder zu spät dran ist; leere, hektische Zeit vor dem Gate im Flughafen. Ganz zu schweigen von den vielen Stunden Warten, die jeden Tag auf der Autobahn im Stau verschleudert werden.  Da ist es doch gut, dass in diesem Jahr der Advent fast so kurz ist wie es nur geht. Vierter Advent am Sonntag, Heiligabend am Montag…

Naja – manchen ist das dann schon wieder zu stressig. Wäre doch schön, die letzte Woche noch mal zum Vorbereiten zu haben und zum Planen und Einkaufen. Weil Warten kann ja durchaus auch sehr aktiv sein. Nützlich sogar – ganz das Gegenteil von Hände in den Schoß legen und Zeit verlieren und womöglich Langeweile und Ungeduld.

Es ist nämlich möglich, das Warten ein bisschen zu gestalten;  weniger, die Zeit wieder zu nutzen, etwa gar für noch einen Konsum-Trip. Ich denke an eine Aktivität, von der mir eine Kollegin erzählt hat. Bei ihr sind die heiligen DreiKönige  schon seit dem ersten Advent unterwegs;  sie rückt die holzgeschnitzten Krippen-Figuren alle paar Tage ein Stück weiter – durchs Arbeitszimmer, durch die Küche… – und erst nach Weihnachten werden sie ankommen bei Jesus Maria Josef am Stall. Warten – das heißt da: Unterwegssein zu einem Ziel;  und das setzt die Kollegin doch sehr schön in Szene.

Advent – schon richtig: das heißt Warten. Warten darauf, dass der Messias kommt, dass Gott die Herrschaft übernimmt. Für Christenmenschen heißt Advent aber auch: Wissen und Glauben, dass er schon da ist; mit ihm unterwegs sein und daran mitarbeiten,  dass Gottes Reich von Frieden und Gerechtigkeit weiter wächst.

Von den drei Königen oder Weisen aus dem Osten mit ihrer Karawane berichtet die Bibel; leider schweigt sie von ihrem langen Weg  bis zum Stall und zum Kind in Betlehem.  Aber um so leichter können wir uns selbst in ihnen wiederfinden. Uns aufmachen, statt in Seelenruhe zu warten, was da auf uns zukommt; Zukunft, wir kommen auf dich zu!…

Warten geht am besten, wenn man selbst auf dem Weg ist -    zu anderen Menschen hin und mit ihnen zusammen;  in der Familie, im Kreis der Kolleginnen oder Freunde –  und manche lassen sich ja auch auf ganz fremde Menschen ein die sie zufällig irgendwo getroffen haben –  an der Haltestelle, im Flüchtlings-Wohnheim oder in irgendeiner Notlage.

Ein Stern hat die Weisen im Morgenland damals aufgescheucht  und ihnen den Weg gezeigt. Gut, so einen Stern zu haben, der lockt und führt. Eine Idee, einen Wunsch, eine Sehnsucht.  Unterwegs sein, dem eigenen Stern folgen: das ist eine gute Art, zu Warten – auch im restlichen Advent!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=27734