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SWR2 Wort zum Tag

Schräg genug ist die Geschichte schon von selbst. Großes Gedränge um Jesus herum – alle wollen ihn hören, am liebsten berühren; wollen ihm ihre Probleme bringen und ihre Krankheiten und Alltags-Sorgen.  Und er ist ja für alle da. Jedenfalls für alle, die es schaffen, sich bis zu ihm durchzudrängen.

Also haben vier Freunde ihre Phantasie eingesetzt und  den kranken Freund auf seiner Trage auf die Dachterrasse geschleppt. Jetzt stemmen sie das Dach auf und lassen ihn an Stricken hinunter, Jesus vor die Füße. Ich glaube, die Geschichte könnte auch anders abgelaufen sein; weniger absurd – also ohne Dachterrasse aufhacken.

Stellen sie sich das mal vor: Jesus im Zementbrocken-Regen  und in einer riesigen  Staubwolke, predigt und heilt ungerührt weiter die Menschen um ihn herum –  och nee, ist doch bestimmt übertrieben, oder?  Mir ist was Anderes wichtiger:  diese Dachdecker-Geschichte zeigt in starken Bildern,  welche Kräfte und welche Phantasie es freisetzt, wenn Menschen wirklich an Jesus glauben; dann schleppen sie einen, die liebhaben, herbei zu Jesus;  von dem erwarten sie ja alles; und machen im Zweifel auch mal eben ein Dach auf. Oder sonst was Ungewöhnliches.

Jesus, an den sie alle herandrängen, kommt damit anscheinend gut zurecht. Er sieht, wie sehr sie sich auf ihn und auf Gottes Kraft verlassen, an ihn glauben – und  freut sich ausdrücklich.  Weil er ihren Glauben sieht. Wobei: Seine Reaktion ist dann auch wieder unerwartet –  und  vermutlich haben sie es als absurd empfunden. Deine Sünden sind dir vergeben, sagt er.  Da hätten sie vermutlich was anderes erwartet. Denn – Entschuldigung: Der Freund ist gelähmt. Der hat ein Problem.  Und Jesus vergibt ihm seine Sünden!?

Die andere Seite findet es mehr als grotesk; sie wissen ja,  dass nur Gott einem Menschen Sünden vergeben kann.  Das ist gotteslästerlich, übergriffig, muss bestraft werden… Jesus nimmt das ernst. Und ist irgendwie auch enttäuscht. Und schlägt sie mit ihren eigenen Waffen: weil „Sünden vergeben“ –  das könnte ja jeder behaupten. Auch ohne Beweis. Und dann tritt er doch eine Art Beweis an:  Steh auf, nimm dein Bett, geh nach Hause.

Wir haben unglaubliches gesehen, erzählen die Leute abends daheim. Gesehen, was man nicht glauben könnte. Die Macht des Glaubens an Jesus und seine Kraft. Und die Kraft von Gottes Liebe, die Sünden vergibt  und sogar Gelähmte heilt, so dass sie sich wieder auf den Weg machen können. Und wenigstens für Menschen, die innerlich gelähmt sind, gilt das heute noch!

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