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SWR4 Abendgedanken

„Ich hatte Glück im Unglück!“ Diesen Satz höre ich öfter. Glück im Unglück! Wie das ist, hat die Schriftstellerin Christine Nöstlinger erzählt: „Die Oma sagt, nachdem ihr die Suppenschüssel aus den Händen gefallen ist: „Ist ja noch ein Glück, dass keine Suppe drin war!“ Der Vater sagt, nachdem er mit dem Auto in den Straßengraben gefahren ist: „Ist ja noch ein Glück, dass sich der Wagen nicht überschlagen hat!“ Die Mutter sagt, nachdem man ihr die Geldbörse gestohlen hat: „Ist ja noch ein Glück, dass die Scheckkarte nicht drin war!“ Der Opa sagt, nachdem er gestürzt ist und sich die Knie blutig geschlagen hat: „Ist ja noch ein Glück, dass ich mir nichts gebrochen habe!“ Das Kind sagt, nachdem es das alles gehört hat: Ist ja noch ein Glück, dass das Unglück allen in der Familie Glück bringt!“
(aus: „Was für ein Glück“, 9. Jahrbuch der Kinderlit., Beltz & Gelberg)  

In der Bibel kommt das Wort „Glück“ nicht vor. Stattdessen steht da das Wort „Segen“. Damit ist gemeint, dass Gott die Menschen auch in schlimmen Situationen nicht im Stich lässt, sondern ihnen Kraft schenkt. Segen kann der Mensch nicht machen. Den bekommt er von Gott geschenkt.

So war das auch bei Josef. Der hatte Streit mit seinen Brüdern, erzählt die Bibel. Die haben ihn aus Zorn in einen tiefen Brunnen geworfen und dann an Kaufleute verkauft, die mit ihrer Karawane nach Ägypten unterwegs waren. Aber Gott hat dafür gesorgt, dass aus der schlimmen Situation Gutes entstanden ist: Josef hat Karriere gemacht und wurde sogar ägyptischer Finanzminister. Am Ende hat er sich mit seinen Brüdern versöhnt.     

Die Menschen in der Bibel werden nicht immer vor schlimmen Dingen bewahrt. Aber sie erfahren, dass Gott auch im Unglück für sie da ist. Er tröstet sie und gibt ihnen Kraft, mit dem Unabänderlichen zu leben. So wie bei Josef. Dem hat Gott geholfen, im Unglück das Glück zu sehen. Er hat gesagt: „Meine Brüder hatten Böses mit mir vor, aber Gott hat alles zum Guten gewendet.“ Warum Gott das tut? Ich glaube, weil er gutes Leben für alle möchte. Deshalb hilft er, dass auch aus schlimmen Situationen Gutes entstehen kann. Denn er hat die Menschen lieb. Deshalb will er ihr Glück im Unglück.

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