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SWR4 Abendgedanken

Gestern haben wir auch in unserer Kirche in Blaubeuren das Erntedankfest gefeiert. Der Altarraum war wunderschön geschmückt. Äpfel und Pflaumen, Kartoffeln und Karotten erinnern daran, dass die Ernte nicht vom Himmel fällt. Sie ist das Ergebnis harter und geduldiger Arbeit der Bäuerinnen und Bauern. Die haben sich in diesem Jahr wegen der Hitze und Trockenheit große Sorgen gemacht. Trotz schwieriger Bedingungen haben sie wieder eine Ernte eingefahren. Ihnen gehört ein großes Dankeschön gesagt. Und auch Gott dem Schöpfer, der uns wieder genug zu essen und zu trinken gegeben hat. Er macht, dass die Pflanzen und Früchte auf den Feldern und in den Gärten wachsen und gedeihen.  
Manche Gottesdienstbesucher fragen jedes Jahr: Was geschieht mit den vielen Lebensmitteln, wenn der Gottesdienst aus ist?

Am Montag nach dem Erntedankfest bringen Ehrenamtliche die Lebensmittel zu Menschen, die sie brauchen können. Zum Beispiel zu einem jungen Mann, der allein in einer kleinen Dachwohnung lebt. Wegen einer psychischen Erkrankung hat er keine feste Arbeit. Wenn es ihm gesundheitlich gut geht, nimmt er Gelegenheitsarbeiten an. Sonst lebt er von Hartz IV. Das ist schlimm für ihn. Auch letztes Jahr hat er ein kleines Erntedankpaket bekommen. Darüber hat er sich riesig gefreut. Die dreiköpfige Familie einige Häuser weiter bekommt ebenfalls ein Lebensmittelpaket. Die Mutter stammt aus dem Kosovo. Seit sechs Jahren wohnt sie mit ihren zwei Kindern in unserer Stadt. Vor zwei Jahren ist ihr Mann bei einem Arbeitsunfall ums Leben gekommen. Jetzt sorgt sie allein für die beiden Kinder. Viel Geld bleibt am Monatsende nicht übrig. Hungern müssen sie deshalb nicht. Trotzdem freuen sie sich über die Lebensmittel und vor allem über die aufmunternden Worte unserer Mitarbeiter, die sich für ein Gespräch mit ihr Zeit nehmen. Das tut ihr gut.   

In der Bibel steht der Satz: „Brich mit dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus…Helft allen, die Hilfe brauchen!“ (Jesaja 58, 7). Mit anderen Worten: Was Gott uns Gutes gibt, sollen wir mit anderen teilen. „Geteilte Freude ist doppelte Freude“, sagt man da. Und genau das erleben unsere Mitarbeiter: Menschen freuen sich, dass andere an sie denken. Sie spüren: Ich bin nicht vergessen. Und das macht ihnen Mut. Das Gute mit anderen zu teilen, darum geht es – nicht nur am Erntedankfest.   

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