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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Wut, Trauer, Fassungslosigkeit. Es gibt viele Gefühle, die der tausendfache Missbrauch in der Katholischen Kirche gerade in Menschen aufwühlt. Auch bei mir, denn es ist auch meine Kirche und ich schäme mich für sie. 3677 junge Menschen, die von Mitarbeitern meiner Kirche verwundet worden sind. An ihren Seelen und auch an ihren Körpern. Die erlebt haben, dass man ihnen nicht geglaubt hat. Die vielfach allein gelassen worden sind mit ihrer seelischen Not. Und die erleben mussten, dass die meisten Täter, die ihnen Leid zugefügt haben, dafür nie zur Rechenschaft gezogen wurden. Viele von ihnen wurden sogar gedeckt. Mich macht das wütend, weil diese Kirche für mich für etwas ganz anderes steht. Für Liebe und Menschenfreundlichkeit, so wie Jesus sie uns vorgelebt hat. In seinen Worten und in seinem Tun. Denn das sollte ihr Programm sein.  Und weil ich in dieser Kirche auch unzählige Menschen getroffen habe, die sich Tag für Tag darum bemühen, genau das zu tun. Menschen, die sich nun wie ich fragen, was sie von dieser Kirche halten sollen.

 

Darum macht mich das, was geschehen ist und nun ans Tageslicht kommt, sogar doppelt wütend und fassungslos. Weil Vertreter meiner Kirche ihre Macht missbraucht und arg- und wehrlose junge Menschen für den Rest ihres Lebens geschädigt haben. Aber auch, weil sie damit alles das unglaubwürdig machen, was viele andere in dieser Kirche trotz allem Gutes tun.

Vertrauen ist der Anfang von allem. So hieß mal der Werbespruch einer großen Bank. Für die Kirche gilt das noch viel mehr. Das  Vertrauen ist schwer beschädigt, das merke ich auch immer wieder im Gespräch mit Menschen, die meiner Kirche trotz allem noch die Treue halten. Wir werden lange brauchen, es wieder aufzubauen. Die Bitte um Vergebung kann da nur der Anfang sein.

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