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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Das Reich Gottes. Jesus hat davon erzählt. Das ist der Kern seiner Botschaft. Der Traum von einem guten Leben für alle Menschen. Wo es keinen Krieg gibt und gerecht geteilt wird, was man zum Leben braucht. Jesus hat die Menschen damit begeistert. Ich frage mich: Wo ist diese Begeisterung hin?

Und da kommt mir ein Experiment in den Sinn, von dem ich gehört habe:
Wissenschaftler haben vier Affen in einen Raum gesperrt. Darin gab es einen Baum, an dem oben Bananen hingen. Die Affen wollten sich die Leckerbissen natürlich nicht entgehen lassen. Einer hat sich  gleich ein Herz gefasst und kletterte nach oben. Dort hat er dann versucht, eine Banane zu ergattern. Doch in dem Augenblick, als er sie berührt hat, kam, o Schreck,  von oben eine kalte Dusche. Kreischend ist er unverrichteter Dinge wieder hinunter geklettert. So wie ihm ist es auch den anderen drei Affen ergangen. Statt der Bananen gab es nur eiskaltes Wasser. Nach einer Weile haben die Affen aufgegeben. Sie hatten ihre Lektion gelernt. Dann hat man einen der vier Affen durch einen anderen ersetzt, der neu dazukam. Der hat ebenfalls direkt versucht, an die Bananen zu kommen. Doch zu seiner Verwunderung haben ihn seine Gefährten herunter gezogen. Er hat zwar nicht so recht kapiert warum, hat es aber mit sich geschehen lassen. Nach einer Weile waren dann alle Affen ausgetauscht, und auch die Neuen haben es nicht mehr gewagt, nach den Bananen zu greifen. Keiner von ihnen hat in in diesem Moment mehr gewusst, warum. Keiner hat mehr den Mut gehabt, sich an das Gute zu wagen.

Vielleicht geht es den Menschen mit dem Reich Gottes ähnlich wie den Affen mit den Bananen? Es fehlt der Mut sich an das Gute zu wagen, weil die, die vorher da waren schlechte Erfahrungen gemacht haben. Schade eigentlich, denk ich mir, um die leckeren Bananen

Jesus war klar: Das Reich Gottes ist nicht unerreichbar. Zu seinen Freudinnen und Freunden hat er gesagt: das Reich Gottes ist mitten unter Euch. Ihr könnte es spüren und erleben. Immer dann, wenn ihr so miteinander umgeht, wie ich es Euch vorgelebt habt. Wenn Ihr einander liebt und achtet. Teilt was ihr zum Leben braucht und gerecht seid.

Ich verstehe das so: um das Reich Gottes zu erleben braucht es gar nicht viel. Nur den Mut eigene Erfahrungen zu machen anstatt sich von anderen entmutigen zu lassen. Oder um in der Sprache des Experimentes zu bleiben: Bloß nie den Traum von den leckeren Bananen aufgeben. Auch nicht beim Traum vom paradiesischen Gottesreich. Ein Reich ganz ohne kalte Dusche.

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