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Anstöße sonn- und feiertags

Es ist das reinste Volksfest. In Scharen sind sie zum See gekommen, um Jesus zu hören. Jesus, den neuen Wanderprediger, Wunderheiler. Den schaut man sich schon mal an. Alle sind begeistert. Alle, bis auf ein paar frustrierte Fischer. Die reinigen gerade ihre Netze. Schlecht gelaunt, denn sie haben heute kaum was gefangen.

Jesus sieht sie. Er leiht sich sogar eines Ihrer Boote aus, damit er besser zu den Leuten reden kann. Und am Ende wendet er sich ganz direkt an die Fischer. Er fordert sie auf, noch mal rauszufahren. Diesmal wird es klappen, mit dem großen Fang. Das verspricht er ihnen.

Die Fischer nehmen Jesus erst mal nicht ernst. Es ist schon viel zu spät um noch mal rauszufahren. Um diese Zeit fängt man normalerweise nichts mehr. Sie kennen sich ja aus mit der Fischerei. Wäre ja noch schöner, wenn so ein Zimmermann ihnen Tipps geben könnte. Aber am Ende machen sie es dann doch. Vielleicht aus Neugier, vielleicht auch, weil sie ja nicht zu verlieren haben.

Und dann geschieht das Unglaubliche: der Fang ist diesmal riesig, die Netze zerreißen fast. Simon, so heißt einer der Fischer, kann es nicht fassen. So einer wie Jesus ist ihm noch nie untergekommen.

Jesus, der Freund der Fischer. Nach diesem Erlebnis hat Simon ihm alles geglaubt. Genauso wie die anderen beiden, die dabei waren, Jakobus und Johannes.Sie sind so begeistert, dass sie ihr Leben von Grund auf ändern. Sie verlassen Ihre Frauen, die Familie, den Beruf. Fangen ganz neu an.

Bis heute hat diese Geschichte Sprengkraft. Jesus war nicht angepasst. Er war ein Aussteiger, ein Endzeitprophet, mit eigenwilligen Ideen. Und der Gabe, andere zu begeistern. Er hat die Menschen herausgefordert. Auch mit dem, was er als erstes zu seinen neuen Begleitern sagte. „Von jetzt an werdet ihr Menschen fischen“, hat er gesagt, „aber nicht, damit sie euch im Netz zappeln, sondern um sie frei zu machen!“

Jesus, der Freund der Fischer. Unkonventionell, überraschend, freiheitsliebend. Macht Mut, dass auch ich mal den großen Fang mache.

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