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SWR2 Wort zum Tag

„Die Hölle muss leer sein, denn alle Teufel sind hier in Münster.“
Soll ein Diplomat gesagt haben. Vor 4 Jahrhunderten, als der 30 jährige Krieg das ganze christliche Abendland in ein Totenhaus verwandelt hatte. So schwierig war es anscheinend, das Morden und Zerstören in Europa friedlich zu beenden.
„Die Hölle muss leer sein, denn alle Teufel sind hier in Münster.“ An die Hundert Gesandte waren damals in Münster in Westfalen zusammen: Franzosen, Spanier, Niederländer, Deutsche, Schweden und auch ein Schweizer. Katholiken und Evangelische.

Ich habe mich gefragt: Wie konnte das gehen? Wie schafft man es, mit Menschen zu reden, ja, um fairen Frieden zu ringen, wenn man in ihnen gleichzeitig „Teufel“ sieht? Wenn man ihnen misstraut, ihnen womöglich Lüge, Verrat, Unlauterkeit, Betrug unterstellt? All diese Teufeleien hatte man sich bis dahin jahrzehntelang angetan.

Aber sie haben weiter um den Frieden gerungen. Anscheinend muss man bereit sein, um des Friedens willen auch mit denen zu reden, denen man viel Böses zutraut und unterstellt. Warum um Himmels Willen schafft das die Weltgemeinschaft heute nicht?

Geschlagene 5 Jahre haben die Diplomaten damals im 17. Jahrhundert gebraucht, Friedensverträge zu schließen. Aber sie haben langen Atem gehabt. Sind nicht in der Verteufelung der anderen stecken geblieben. Um das zu können, muss man im Gegenüber Menschen sehen, muss schlechte Erfahrungen beiseite legen. Vertrauen riskieren. Und das ist den Gesandten in mehrfacher Hinsicht gelungen:

Politisch: Spanien hat zugestanden, dass die rebellischen Niederlande selbständig werden. Die Schweiz wurde rechtlich souverän. Territorial- und Nationalstaaten sind so eine Basis für ein friedlicheres Europa geworden.
Und es ist auch gelungen, die anderen religiös zu entdämonisieren. Von nun gab es Katholiken und zwei evangelische Konfessionen: Lutheraner und Calvinisten. Insofern wurde Religionsfreiheit in Europa geschriebenes Recht. Noch nicht für evangelische Freikirchen. Schon gar nicht für Juden und Muslime.
Aber es war dennoch ein großer Fortschritt:

Um des Glaubens Willen sollte kein Krieg mehr geführt werden. Christen, die anders glaubten als man selbst, sollten nicht mehr zu „Teufeln“ erklärt werden. Oder als „ungläubig“ oder zu „Zerstörern der universalen Kirche.“
Religionsfreiheit wurde so zu einer Grundfeste Europas. Und sie gilt heute Gott sei Dank für Christen, Juden, Muslime, Atheisten und Agnostiker gleichermaßen. Sie ist Bedingung für Frieden. Wir müssen die Saat von damals noch zur Reife bringen.

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