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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Brich mit dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus.“ Uralt sind diese Worte. Klar und einfach. Hier spricht der Prophet Jesaja im Auftrag Gottes. Denn damals schreit das Elend zum Himmel. Armut und Obdachlosigkeit herrschen. Und während die Einen vom Hungertod bedroht sind, stopfen sich die Reichen in ihren Palästen die Taschen voll. Das ist nicht nur ungerecht. Das ist auch gottlos. Deshalb schickt Gott Propheten. Menschen wie Jesaja. Boten, mit dem Auftrag, die Menschheit an seine Botschaft zu erinnern: Gott will Gerechtigkeit für alle Menschen. 

Und so macht sich Jesaja auf den Weg mit seiner Botschaft. Geht zu den Reichen, redet ihnen ins Gewissen. Kein Wunder, dass er sich damit keine Freunde machte in den sogenannten besseren Kreisen.

Manche haben damals auf Jesaja gehört. Aber die Probleme, die er anmahnt, die gibt es noch heute: Verwahrloste Kinder. Mittellos, ohne Obdach. Ca. 50000 sind es allein in Deutschland. Die Umstände, die sie dazu machen sind ganz ähnlich wie damals. Die Schere zwischen arm und reich klafft auseinander. Die Wohnungen in den Großstädten sind zu teuer. Menschen werden verdrängt, wie es in geschönter Sprache heißt. Sie verlieren ihre Wohnungen. Armenasyle, Übergangswohnheime und Notunterkünfte sind die Folge. Besonders für die Kinder sind die Folgen katastrophal.

„Brich mit dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus“. Noch immer geht es in der Welt nicht gerecht zu. Und deshalb haben die Worte Jesajas noch immer ihre Aktualität. Klar, unmissverständlich. Sie fordern die Menschen heraus, die Welt gerechter zu machen.

Die Kinderarmut in unserem Land ist so ein Beispiel. Das kann nicht gerecht sein. Da muss man heute kein Prophet sein, um das zu sehen. Man muss aber auch kein Prophet sein, um das anzuprangern und dagegen anzugehen. Dazu sind alle Menschen aufgefordert. Und das mit der Zuversicht, dass sich etwas ändert. Denn hinter unseren Worten steht, wie hinter den Worten Jesajas, Gottes Wort. Das macht mir Mut.

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