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SWR4 Abendgedanken

„Jedes Mal, wenn ich die Sirene eines Krankenwagens hören, spreche ich ein kurzes Gebet“, hat mir ein Mann erzählt. Mich hat das beeindruckt. Denn bis dahin habe ich mir nicht viel dabei gedacht, wenn der Kranken- oder Notarztwagen mit lautem Sirenengeheule an mir vorbeigerauscht ist. Wegen der Lautstärke halten sich manche Passanten sogar die Ohren zu. Aber seitdem dieser Mann das gesagt hat, mache ich es auch so: Ich schicke ein kurzes Stoßgebet zum Himmel, wenn ich die Sirene höre. „Lieber Gott, hilf den Betroffenen“, sage ich dann.

Die Sirene erinnert mich daran, wie schnell sich das Leben ändern kann. Auch meines. Ein Autounfall, ein Treppensturz, ein Herzinfarkt – schon bin ich hilflos und auf andere angewiesen. Dann entscheiden nur wenige Minuten oder Sekunden über Leben und Tod.

Die Notärzte und Rettungsassistenten in ihren schnellen Fahrzeugen riskieren oft ihre eigene Gesundheit und manchmal auch ihr Leben, um anderen zu helfen. Oft wissen sie nicht genau, was sie am Einsatzort erwartet. Manchmal schlimme Dinge. Dann brauchen sie viel Mut, gutes medizinisches Gerät und Kollegen, auf die sie sich blind verlassen können. Ich finde, sie verdienen unseren Dank. Und sie brauchen unsere Gebete.

Schon vor vielen hundert Jahren haben Menschen erlebt und weitergesagt. „Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“ (Psalm 91,11) So haben sie es in einem Gebet in der Bibel festgehalten. Ich finde, gerade Notärzte und Rettungsassistenten brauchen solche Engel, die sie behüten und ihnen immer wieder neue Kraft geben. Und erst recht brauchen die Verletzten und Hilfsbedürftigen Engel, die sie beschützen. Man kann nicht oft genug beten, dass Gott sie ihnen an die Seite stellt. Denn die brauchen sie, wenn es mal wieder mit Blaulicht und Sirenengeheul auf die Straße geht. Dann riskieren sie viel, um anderen zu helfen. Sie bringen vollen Einsatz. Eines Tages vielleicht auch für mich. Wenn ich dann weiß, dass andere für meine Helfer und für mich beten, tut mir das gut. 

Wenn Sie das nächste Mal eine Sirene hören, machen Sie es doch wie der Mann, der es mir erzählt hat. Schicken Sie ein Stoßgebet zum Himmel. Dazu braucht es nicht viele Worte. „Guter Gott, hilf!“ genügt.

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