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SWR4 Abendgedanken

Die Fußballweltmeisterschaft ist vorbei. Schade! Denn jetzt werden sie verschwinden: die bunten Fahnen, die aus den Fenstern und von den Balkonen hängen. Die serbische Fahne mit den rot – blau - weißen Querstreifen zum Beispiel. Die hängt gleich dreimal in meiner Straße. Auch zwei portugiesische Fahnen in rot und grün sind zu sehen. Aus einem Dachfenster am Ende unserer Straße weht stolz die nigerianische Fahne mit den zwei grünen Streifen außen und dem weißen Streifen innen. Deutsche Fahnen in schwarz, rot, gelb gab es natürlich auch. Die wurden aber ziemlich rasch wieder abgehängt. Dass so viele verschiedene Nationen in meiner Straße wohnen, habe ich nicht gewusst. Dank der bunten Fahnen weiß ich das jetzt.

In meiner Straße geht es friedlich zu. Da gibt es keinen Streit zwischen den Muslimen aus Nigeria und den Christen aus Serbien. Die kennen sich und respektieren sich. Die Leidenschaft für den Fußball verbindet sie. Die Fahnen an den Häusern zeigen mir das.

In der Welt ist das ja leider anders. Da gibt es viel Streit zwischen den Nationen und Religionen. Das ist zum Verzweifeln! Aber die Fußballweltmeisterschaft hat mir gezeigt, dass es auch anders gehen kann. Jedenfalls in meiner Straße. Hier ist man stolz auf seine Nation und zeigt das auch. Aber man respektiert auch die anderen.

Was im Kleinen möglich ist, muss doch auch im Großen möglich sein, denke ich mir und fange an von einer Welt zu träumen, in der eine gemeinsame Leidenschaft alle Nationen und Religionen verbindet: die für den Frieden.

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34,15), heißt es in der Bibel. Das klingt sportlich, finde ich. So wie man dem Ball nachjagt, soll man dem Frieden nachjagen: mit Leidenschaft. Frieden fängt im Kleinen an. Zum Beispiel mit einem freundlichen Wort, das ich dem Nachbarn sage. Oder mit den beiden Worten „Vergib mir!“ Wo zwei sich versöhnen, da ist Frieden.

Frieden ist möglich. Das zeigen mir die Fahnen in meiner Straße. Schade, dass die jetzt verschwinden werden.

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