Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR2 Wort zum Tag

Europa muss sich auf seine Wurzeln, seine Seele zurückbesinnen! Viele machen sich in diesen Tagen große Sorgen, wenn sie auf den Zustand unseres Kontinents schauen. Viel zu lange schon und viel zu selbstverständlich ist nur noch von der Krise Europas die Rede! Immer mehr europäische Staaten scheinen vor allem an sich selbst zu denken; nicht nur in der Flüchtlingspolitik.

Hat sich die Idee eines gemeinsamen Europas in unseren Tagen erledigt? Tragen die großen Hoffnungen nicht mehr, die einst die Gründungsväter und – mütter Europas bewegten? Und der christliche Glaube, der die europäische Kultur fraglos geprägt hat? In unseren Tagen muss dieser Glaube eher herhalten, um sich von anderen abzugrenzen, andere auszugrenzen.

Am 11. Juli jeden Jahres wird in der Katholischen Kirche besonders an den Heiligen Benedikt gedacht. Im Jahr 480 wird der „Gründer des abendländischen Mönchtums“ in dem kleinen Ort Nursia geboren, in der heutigen italienischen Region Umbrien . Mit 67 Jahren stirbt er auf dem Monte Cassino. Dort hat er mit einem Kreis von Freunden und Getreuen eine erste Gemeinschaft gegründet.

1964 erklärt Papst Paul VI. den Heiligen Benedikt zum bedeutendsten Patron Europas. Gerade auch die Frömmigkeit Benedikts hat Europa geprägt. Benedikt hat als erster eine umfassende Regel für das Leben in Ordensgemeinschaften entwickelt. Und viele Klöster und Gemeinschaften in Europa haben sie für sich übernommen, manchmal mit kleinen Veränderungen. Der Kerngedanke der benediktinischen Regel heißt „Ora et labora“, also „bete und arbeite“. Mit dieser ganzheitlichen Spiritualität wurden die Klöster zu bedeutenden Zentren, die für Bildung gesorgt haben, die das Handwerk und die Landwirtschaft gefördert und weiterentwickelt haben.

Gerade in der aktuellen Krise Europas kann der Heilige Benedikt, der Patron Europas, an eine große Hoffnung erinnern!

Die Hoffnung auf eine europäische Gemeinschaft, die von gemeinsamen Werten und Haltungen geprägt ist: Von Werten und Haltungen, die nicht zuletzt in der Bibel begründet sind: zum Beispiel in der  Vorstellung, dass jeder einzelne eine besondere Würde hat, unabhängig von seiner Leistung und seiner Herkunft! So hoffe ich auch auf eine Gemeinschaft, die versucht, Maß zu nehmen am biblischen Gleichnis vom barmherzigen Samariter: dem Gleichnis, wo ein Fremder einem verletzten Fremden hilft.

Dies ist der Geist, die Seele Europas. Und uns daran zu erinnern, dabei möge der Heilige Benedikt uns helfen!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=26839