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SWR4 Abendgedanken

Es geht mir richtig gut. Jedenfalls im Vergleich zu den meisten Menschen auf dieser Erde. Der UNO-Flüchtlingsbericht sagt zum Beispiel, dass etwa 70 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht sind vor Hunger und Krieg. Ich kann mir so eine Zahl gar nicht vorstellen. Was für ein Irrsinn! Diese Menschen haben alles verloren, was ihnen gehörte und wissen oft nicht, wie sie die nächsten Tage überleben sollen. Gemessen daran geht es mir richtig gut. Natürlich habe ich auch meine Probleme. Aber was ist das schon im Vergleich zu vielen Millionen Menschen weltweit, die täglich um ihr Überleben kämpfen?

Nur, dass ich mir das oft gar nicht bewusst mache. Weil meistens vergleiche ich mich nicht mit den vielen Menschen auf dieser Erde, denen es viel schlechter geht als mir. Sondern ich vergleich mich mit den wenigen, denen es noch besser geht. Und es gibt immer solche Menschen. Die sind scheinbar erfolgreicher im Beruf, sie sehen besser aus, ihre Kinder machen alle Abitur und studieren, sie wohnen in einem größeren Haus und alles, was sie anpacken scheint ihnen zu gelingen. Mit denen vergleiche ich mich. Und dann denke ich: Warum ist das bei mir nicht so? Warum geht’s es denen besser als mir?

Aber das ist wohl ein allgemein menschliches Problem: Wir vergleichen uns immer mit denen, denen es scheinbar besser geht; und selten mit denen, denen es schlechter geht. Die Folge davon sind Neid und Unzufriedenheit. Aber Neid und Unzufriedenheit vergiften unser Herz und machen uns zu mürrischen und missgelaunten Menschen.

Dabei wäre es so einfach: Ich müsste mir doch nur ab und zu mal klar machen, dass die meisten Menschen, denen es scheinbar besser geht als mir, auch ihre Probleme haben. Und dass ich mich sowieso meistens mit den falschen vergleiche. Ich habe einfach die falsche Perspektive.

Am besten wäre es jedoch, wenn ich mit diesem elendiglichen Vergleichen einfach ganz aufhören könnte. Wenn ich mich nicht mehr mit anderen vergleiche, dann kann ich das Gute in meinem eigenen Leben entdecken und Gott dafür dankbar sein. So wie es im Psalm 103 heißt: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“.
Danke Gott, es geht mir richtig gut.

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