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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Ein Zebrastreifen, der zu schweben scheint. Künstler haben ihn geschaffen. Durch die 3D Optik sieht der Zebrastreifen so plastisch ist, dass Autofahrer automatisch abbremsen. Als wäre er nicht auf den Asphalt gemalt, sondern ein reales Hindernis. Ganz schon pfiffig. Fußgänger werden geschützt, weil Autofahrer von ganz alleine langsam machen.

Leider entspricht das nicht den Normen. Weil die Gesetze anders sind, kann dieser Zebrastreifen nicht bleiben. Er muss wieder weg.
Schade, habe ich gedacht. Wie oft stehen unsere Bestimmungen einer guten Sache im Wege. Ich möchte nirgendwo anders leben als in einem Rechtsstaat. Aber was tun, wenn Gesetze das Zusammenleben nicht erleichtern, sondern erschweren?

Die Frage ist alt. Schon bei Jesus gab es dieses Dilemma. Als er mal Menschen geheilt hat an dem Tag, an dem jede Arbeit verboten war, am Sabbat: Da war der Aufschrei groß. Jesus hat gegen das Gesetz verstoßen – so lautete der Vorwurf. Jesus hat darauf souverän geantwortet: Die Gesetze sind für den Menschen gemacht und nicht der Mensch für das Gesetz. Das war seine Antwort. Sie sind ein Raum der Freiheit. Und ein Menschenleben geht allemal vor.
Starke Worte  - und sicher kein Freibrief für Gesetzesübertretungen. Im Blick ist der Mensch, der etwas braucht. Nicht die eigene Willkür.

Auch heute gilt: Gesetze darf man nicht willkürlich brechen. Aber in der Demokratie es gibt es Gott sei Dank politische Prozesse, die zu Gesetzesänderungen führen. Diese Prozesse sind oft langatmig und auch mir geht es oft  zu langsam. Aber anstatt mich zu ärgern frage ich mich eher, was ich selber durch  meine Stimme beitragen könnte, dass die Gesetze den Menschen dienen und nicht der Bürokratie.

Vielleicht wird auf diesem Weg auch bald der schwebende Zebrastreifen erlaubt. Ich fände das gut! Jede Gesetzesänderung, die Leben schützt,  gefällt mir. Da kann noch viel passieren – und jeder von uns Bürgern kann mitwirken.
Damit Gesetze nicht zum Gefängnis werden, sondern dazu, wie auch Jesus es gemeint hat: Zum Raum der Freiheit, der Leben ermöglicht.

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