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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Eine Bekannte von mir kann an keinem kranken Tier vorbeigehen. Ihr ist es ein Herzensanliegen, zu helfen. Und ihre Hilfsbereitschaft kennt kaum Grenzen. Da kann es passieren, dass ein krankes Tier aus dem Urlaub mitgenommen wird, um es zu Hause weiter zu versorgen. Sie kennt mittlerweile einen Haufen Tierarztpraxen im In –und Ausland, Tierschutzvereine und Hilfsorganisationen. Und sie engagiert sich, wo sie kann. Ihre Familie hat allen Protest aufgegeben. Sie wissen: Sie kann nicht anders. Sie hat eine Schwäche für das Schwache.

Zuerst habe ich gedacht: Ganz schön extrem! Aber dann ist mir ein Bibelspruch in den Sinn gekommen, der gut zu dieser Frau passt. Der Prophet Jesaja beschreibt Gott so: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“

Gott hat wohl auch eine Schwäche für das Schwache. Die Not in der Welt ist Gott nicht egal. Und da, wo noch ein Funken Hoffnung ist, soll man alles dafür tun, dass diese Hoffnung genährt wird. Dass ein Licht wieder leuchten kann oder eine Pflanze wieder wachsen kann.
Hoffnung stärken durch tätige Nächstenliebe. Nicht wegschauen, sondern etwas tun. Das geht auf vielfältige Weise.

Die Meisten machen das ganz unaufgeregt in ihrem täglichen Leben – jemanden besuchen, für jemand Kranken etwas kochen, einen Anruf, eine Spende. „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“

Durch Hoffnung kann Schwäche zu Stärke werden – gut, dass manche Menschen sich nicht beirren lassen, eine Schwäche für das Schwache zu haben. Gott nachzueifern.

Zuletzt hat meine Bekannte einem Vogel geholfen, der aus dem Nest gestoßen wurde. Der hätte keine Chance gehabt. Da war das Glimmen des Lebenslichtes weniger als schwach. Liebevoll hat sie sich um ihn gekümmert. Bis er wieder wegfliegen konnte. Ein kleines Wunder, selten genug. Er ist in die Freiheit geflogen und lebt. Und nur, weil jemand eine Schwäche für das Schwache hatte.

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