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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Der Mann, von dem ich Ihnen heute Morgen erzählen will, ist eine Mischung aus Narr, Spaßmacher und frommem Clown. Er macht sich selbst zum Hofnarren der Mächtigen und vor seinem Spott ist kein Amtsträger sicher. Philipp Neri lebte vor 500 Jahren in Rom. Er muss wohl einer der offensten und liebenswürdigsten Menschen gewesen sein, die man sich vorstellen kann. Philipps Biographen nutzen immer wieder das Wort „Dolzessa“ um seine Art zu beschreiben. Sie umschreiben damit das Wohltuende, seine Liebenswürdigkeit Menschen zu begegnen, einer von ihnen zu sein. Er war jemand, dem nichts fremd war, mit dem man über alles reden konnte ohne gleich Gefahr zu laufen, streng belehrt zu werden. Die Kinder, um die er sich kümmerte ermahnte er mit den Worten „Seid gut wenn ihr könnt!“. Er sagte das, was zu sagen war, aber ohne Moralkeule, mit Einfühlungsvermögen und vor allem mit Barmherzigkeit.

Er redete viel mit den Menschen, die er traf. Er redete auch von Gott, aber er machte keine Angst mit dem Zorn und dem Strafgericht des Himmels. Er teilte seinen Zuhörern von dem Glück mit, das er in der Nähe Gottes fand. Sein Evangelium ist eine frohe, manchmal eine fröhliche Botschaft. Und der Gott, an den er glaubte, hat Humor.

Philipp Neri lebte in einer für die katholische Kirche sehr schweren Zeit. Vieles lag im Argen, die Reformation hatte sich durchgesetzt und verlangte Antworten. Philipp hat, ohne es zu wollen, mit seiner originellen und menschlichen Art Christ zu sein, eine ganz eigene Erneuerung ausgelöst. Allein durch seine Liebenswürdigkeit, mit der er jedem begegnete, ließ er die Menschen neu über den Glauben nachdenken. Er war einfach heiter und unbefangen. Denn er lebte wie kein anderer aus dem, was „Evangelium“ übersetzt ja bedeutet – er lebte aus der Freude. Heute ist der Gedenktag des Hl. Philipp Neri. Allen Philipps wünsche ich heute zum Namenstag etwas von dieser Freude, die ihr Namenspatron so reich verschenkt hat.

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