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SWR2 Wort zum Tag

„Ich höre, also bin ich“. Ich lese gerade ein Buch mit diesem Titel. Joachim-Ernst Berendt hat es geschrieben, schon 1989. Vielleicht erinnern Sie sich an ihn. Er war Rundfunkjournalist, Musikkritiker, Essayist und bis zu seinem Tod im Jahr 2000 ein großer Förderer des Jazz und der Weltmusik in zahlreichen Sendungen und Veranstaltungen.

 „Ich höre, also bin ich“. Für Joachim-Ernst Berendt ist das Hören die Grundlage allen Seins, des ganzen Lebens: Denken, Reden, Handeln, Tun und Lassen, Wachen und Schlafen. Alles wurzelt im Hören. Vom Anfang bis zum Ende des Lebens.

Für mich ist Berendt ein Bruder im Geiste mit Paulus. Der schreibt: „Der Glaube kommt aus dem Hören“ (Röm 10,17). Für mich als Christ ist Glaube nichts „sekundäres“ sondern fundamentaler Teil meines Lebens. Ich weiß, dass ich als Mensch „angesprochen“ bin von Gott.

Berendt zeigt, das gilt anthropologisch von Beginn unserer Existenz. Wir Menschen werden Menschen, indem wir hören: bereits sieben oder acht Tage nach der Befruchtung, im ersten Zellbündel des menschlichen Embryos, sind mikroskopisch kleine Ansätze zur Bildung von Ohren erkennbar. Und schon viereinhalb Monate später, also bereits im Mutterleib, hat das daraus entstehende Innenohr seine endgültige Größe erreicht.

Und am Ende unseres Lebens, dann ist der Sinn, der bei der Mehrzahl der Menschen als letzter erlischt, der Hörsinn.

Keiner unserer Sinne deckt also die Strecke, auf der wir in diesem Leben verweilen, so vollständig ab, wie unser Hörsinn. Ja, unser ganzes Sein ist davon geprägt und bestimmt, dass wir hören.

Das Hören auf Gott kann dabei durchaus vielfältig geschehen: Im Lesen der Bibel. Durch die Begegnung mit Anderen. Beim Hören einer Andacht. Als Stimme des Gewissens. In aller Stille im Gebet. Aus einer Musik. Gott lässt auf mancherlei Weise von sich hören.

Ich als Mensch bin frei, hinzuhören oder wegzuhören. Manchmal ist das ja gar nicht so einfach.

Für mich habe ich gemerkt, dass mir das Hören für meinen Glauben wichtig ist. Es bestimmt in der Tat mein Sein. Mir persönlich ist es deshalb wichtig, z.B. eine Andacht oder Predigt zu hören. Aber auch hinabzuhören auf den Grund meiner Seele. Das mache ich meistens abends, bevor ich einschlafe. Ich höre darauf, was aus der Seele aufsteigt, was aus der Stille kommt. Und richte mich danach aus.

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