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SWR2 Wort zum Tag

Wo bleibst Du, Trost der ganzen Welt? So heißt es in einem Adventslied. Friedrich von Spee, der Dichter dieses Liedes konnte viel Trost gebrauchen. Er lebte während des Dreißigjährigen Krieges, und er hat vielen Menschen vor Gericht seelischen Beistand geleistet.
Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt, worauf sie all ihr Hoffnung stellt.
Die Sehnsucht nach Weihnachten, die in diesem Lied liegt, und die Botschaft davon, daß Gott bei den Menschen ist – das sind keine Geschichten aus einer heilen Welt – damals nicht, als das Lied gedichtet wurde, und jetzt auch nicht.
Daß Schmerz und Unrecht zum Himmel schreien, das kennen wir heute auch: wenn wir in die Welt mit ihren Kriegen und Konflikten schauen, und auch beim Blick ins persönliche Leben: Viele Menschen leiden an Körper und Seele, fürchten um die Arbeit oder haben keine, fühlen sich ohnmächtig.
Wo bleibst du, Trost unserer Welt?
Vielleicht stört Sie ja das Wort Trost. Es hat so einen Beigeschmack von Bemitleiden oder von Vertrösten. Kinder tröstet man, weil bei denen ja angeblich alles nicht so schlimm ist.
Das Wort Trösten hängt aber ursprünglich mit Treue zusammen. Trösten kann mich, wer treu ist, wer zu mir steht in meinen schlimmen Zeiten. Wer mir hilft, wenn ich Unterstützung brauche. Wer mir kämpfen hilft oder etwas Schweres aushalten.
Aber ist Jesus Trost der Welt? Nach ihm fragt ja eigentlich dieses Adventslied. Bei dem niederländischen Theologen Edward Schillebeeckx habe ich eine mögliche Antwort auf diese Frage gefunden. Er schreibt: ”Jesus weigert sich ..,das Böse als gleichberechtigt mit dem Guten anzusehen, und er handelt entsprechend.” (170)Das heißt also: Jesus findet sich nicht ab mit Leid und Gewalt. Das läßt sich belegen mit vielen biblischen Texten über ihn. Damit, daß er immer wieder Kontakt hat mit Kranken, mit Leuten, die religiöse und staatliche Gesetze gebrochen hatten, mit Habenichtsen, mit Verzweifelten, mit Isolierten. Viele Predigten und Gleichnisse Jesu gehen in dieselbe Richtung: der Hirte findet sein verlorenes Schaf wieder, der Vater den verlorenen Sohn; dem Schuldner wird eine Riesenschuld erlassen, der Weizen wird nicht einfach mit dem Unkraut ausgerissen. Und Jesus selbst gehört zu den Opfern - nicht weil er gerne leidet oder stirbt, im Gegenteil - sondern weil er ohne Gewalt für die Menschen da sein will.
Sich nicht abfinden mit dem Bösen, sich nicht distanzieren vom Leiden – so kommt Jesus als Trost der Welt.
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