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SWR2 Wort zum Tag

Im Advent hat es Sinn, nach Jesus von Nazareth zu fragen, auf den das Weihnachtsfest ja zurückgeht. Unsere wichtigste Quelle für ihn sind die biblischen Texte. Darin fällt auf, daß zweierlei unbedingt zusammengehört: wie Jesus mit den Menschen lebt und wie er mit Gott lebt. Und vor allem, wie er beides verbindet: Er hat eine einzigartige Beziehung zu Gott und eine einzigartige Beziehung zu den Menschen. Seit Jahrhunderten drückt der christliche Glaube das aus mit Begriffen wie „wahrer Gott und wahrer Mensch”, - und dies meint nicht halbe/halbe, sondern beides ganz. Man kann sagen: Im Menschen Jesus fällt beides zusammen. Hier offenbart sich Gott und hier zeigt sich der Mensch. In Jesus fällt dies in einer Person zusammen.(vgl. Edward Schillebeeckx, Menschen - die Geschichte von Gott. Freiburg 1990,163). Das heißt: in Jesus ist Gott zu finden und der Mensch, so wie er sein kann und sein soll. So kommt man auch zu der überraschenden Aussage: Jesus ist wirklicher Mensch, weil er völlig auf Gott hin orientiert ist. Denn der Mensch ist nicht denkbar ohne Gott. Andererseits: In Jesus zeigt sich Gott wie er ist: total engagiert für die Menschen.
Deshalb könnte man das, was Christen an Weihnachten feiern, vielleicht auf die Formel bringen: Gott und Menschen sind aufs Engste verbunden. Das mag wenig erscheinen, allerdings nur, solange man es nicht umsetzt in Einzelfragen, die das Leben betreffen, z.B: Wie verstehe ich mich selbst - habe ich mit mir und meinesgleichen genug, oder spielt die Ahnung von Gott eine Rolle in meinem Leben? Definiere ich mich auch von Gott her oder nur aus der Biologie? Sehe ich in mir und den andern Menschen auch etwas von Gott aufscheinen? Wenn ich mich um Menschlichkeit bemühe - woher kommt mir die Kraft dazu? Und umgekehrt: Glaube ich an mich, glaube ich an die Menschen, sind sie mir etwas wert?
Vorweihnachtliche Besinnungsfragen, die sich gut vertragen mit den alten schönen Liedern dieser Tage, z.B.: Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben. Ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben.
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