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SWR2 Wort zum Tag

Die Zahl der Menschen, die alleine leben, nimmt immer mehr zu. In großen Städten wie Stuttgart sind inzwischen die meisten Haushalte Einpersonenhaushalte. Das hat vielfältige Gründe. Viele junge Menschen zieht es in die Ballungszentren, zunehmend mehr Menschen leben dauerhaft als Single und am Ende des Lebens bleibt auch bei einem Paar einer alleine zurück. 

Allein zu leben heißt nicht beziehungslos zu leben. Aber dies erfordert immer einen gewissen Aufwand: Wer allein lebt, muss sich aufmachen, etwas unternehmen, Beziehungen und Freundschaften pflegen – sonst bleibt er allein. Und dann kann aus dem Alleinleben schnell Einsamkeit werden. Und die ist bitter. Man fragt sich: Interessiert sich überhaupt noch jemand für mich? Bin ich für andere wichtig? Keiner kann nur auf sich bezogen existieren. Wir brauchen den Austausch mit anderen Menschen, ihre Anteilnahme, und das Gefühl, irgendwo dazuzugehören. Einsamkeit macht auf Dauer krank. 

Aber was kann Abhilfe schaffen? In England gibt es inzwischen sogar ein Ministerium für Einsamkeit, weil vor allem alte Menschen immer mehr davon betroffen sind. Wie können die früher so selbstverständlichen Beziehungsnetze in der Nachbarschaft und im Wohnviertel neu geknüpft werden?

Gut, wenn da eine Nachbarin grüßt und nachfragt, wie es so geht. Oder wenn es in der Nähe Orte gibt, wo man andere trifft und Kontakte knüpfen kann. Vielleicht ein Mittagstisch für Senioren oder eine Spielerunde im Nachbarschaftstreff.  

Ich denke, es kommt erst einmal auf uns selbst an.  Etwa die Nachbarn kennenzulernen, wenn man irgendwo neu einzieht. Sich zu grüßen. Kleine Gefälligkeiten anzubieten und auch selbst darum zu bitten. Sich im Stadtteil umzuschauen, wo die Treffpunkte, die Vereine, die Kirchengemeinden sind. Wer offen für andere ist und sich einbringt, hat meist auch mehr soziale Kontakte. Aber manche Menschen tun sich damit nicht so leicht. Der erste Schritt fällt schwer. Deswegen  braucht es immer  auch Menschen, die sich aktiv um den sozialen Zusammenhalt in ihrem Viertel kümmern. Mit einem offenen Ohr und einem weiten Herzen. Sie sind wie Knotenpunkte, die andere vernetzen und in Kontakt zueinander bringen. Sie sind Streetworker gegen die Einsamkeit. 

Mir persönlich ist das wichtig und ich mache das auch gern. Menschen in Beziehung zueinander zu bringen  ist für mich  ein Stück gelebtes Christsein, das auch  mein eigenes Leben  beziehungsreicher macht.

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