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SWR3 Worte

Im Buch „Das Evangelium nach Pilatus“ erzählt der Autor Eric-Emanuel Schmitt das Leben Jesu aus der Sicht von Jesus selbst. Und so erzählt Jesus: 

Während ich weiter als Zimmermann in Nazareth arbeitete, wurde ich für die Dorfbewohner zu einem Weisen, den sie (…) um Rat fragen konnten (…). 

Mosche zum Beispiel, mein Freund Mosche (…) hatte seinen Sohn verloren. (…) Armer Mosche, die Lider geschlossen, um seine Tränen zurückzuhalten, (…) er wollte diesen Tod nicht hinnehmen, (…) er lehnte sich dagegen auf. 

„Warum er? (…) Er hat doch nicht gesündigt, er hatte gar keine Zeit dazu! (…) Kann es einen Gott geben, der kleine Kinder sterben lässt?“ 

„Versuch nicht, das Unbegreifliche zu begreifen“, sagte ich sanft zu ihm. „Der Tod ist keine Strafe, weil du nicht weißt was er ist. Du weißt nur, dass er dir deinen Sohn raubt. Aber wo ist dein Sohn? Was fühlt er? (…) Hadere nicht, hoffe. Du weißt nicht, wie Gott denkt (…). Aber du kannst sicher sein, dass Gott uns liebt. 

Was ist Gerechtigkeit? Allen dasselbe zu geben. Also gibt Gott uns allen zuerst das Leben und dann den Tod.“ 

Quelle:  Eric-Emanuel Schmitt: Das Evangelium nach Pilatus, Fischer-Verlag, Frankfurt 2014, S. 24f.

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