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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Da liegt eine Jesus-Figur in einem Holzkasten. Die Figur zeigt den auferstandenen Jesus. Es handelt sich um ein Detail aus einem Bild des zeitgenössischen Malers Michael Triegel. Die Figur passt offensichtlich nicht in den Holzkasten. Sie ist etwas zu groß. Daher liegt sie nun schräg darin. Der Kasten mit der Figur steht auf einem Tisch, aber auch da ist zu wenig Platz. Das Ganze macht einen tristen Eindruck: Aussortiert – weggeräumt – nicht mehr gebraucht.

Ich muss an meinen Dachboden denken. Da gibt es auch eine Kiste mit religiösem Inhalt: Kreuze, Bilder, kleine Figuren. Manches habe ich gekauft, manches wurde mir geschenkt, manches war schon da. Es wurde mir irgendwann zu viel. Wegschmeißen konnte und wollte ich es nicht – also musste eine Kiste her. Auch bei mir ist es eine Holzkiste – schließlich liegt nicht irgendwas drin. Und auch bei mir passt es nicht richtig: Der Deckel kann nicht richtig schließen, da ein Bild zu groß ist. Im übertragenen Sinn ist es wahrscheinlich auch kein Wunder, dass die Kisten nicht richtig passen: Der Inhalt steht für mehr.

Ärgerlich ist nur, dass ich immer ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich an der Kiste vorbeikomme. Doch ich frage mich gerade: „Muss das sein?“ Eigentlich doch nicht. Figuren und Bilder können hilfreich sein, sie können einzelne Aspekte des Glaubens anschaulich machen. Aber Figuren und Bilder sind nicht mein Glaube selbst. Sie erzählen in Ausschnitten davon.

Wichtiger ist letztlich, dass mein Glaube selbst nicht in einer Kiste auf dem Dachboden steht. Und da kann der Inhalt der Kiste sogar helfen: Indem ich noch mal schaue, was genau in der Kiste ist. Vielleicht passt gerade etwas und ich hole es für einige Zeit mal wieder hervor. Vielleicht finde ich darin auch ein Bild vom auferstandenen Jesus.

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