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SWR2 Wort zum Tag

Email, Smartphone, soziale Netzwerke, Internet-Recherche. All diese Segnungen der digitalen Welt erleichtern mir mit vielen Menschen in Kontakt zu bleiben – und das weltweit. Sie erlauben mir, sekundenschnell an Informationen heranzukommen, die früher extrem schwer zu kriegen waren. So weit zu einigen positiven Aspekten dessen, dass der Alltag immer digitaler und immer globaler wird. Leider gibt es aber auch eine Schattenseite, die ich weder aus christlicher noch aus menschlicher Sicht gutheißen kann und will: Es wird auch leichter, Hass und Ausgrenzung zu verbreiten durch Kommentare, die gezielt verletzen, aufstacheln, diskriminieren.

Ein Institut in London, das digitale Kommunikation erforscht, hat kürzlich etwas Interessantes herausgefunden: in den sozialen Netzwerken, vor allem bei Facebook, verstärkt sich die Polarisierung ständig selbst. Polarisierende Beiträge, möglichst gemein und rücksichtslos formuliert, erhalten eine viel größere Reichweite, als sachliche Debatten. Dabei steht hinter vielen Hass-Kommentaren im Netz nur eine verschwindend kleine Minderheit der Nutzer. Ihr Ziel ist, ihre Meinung als das zu inszenieren, was das Volk oder die Mehrheit angeblich denkt. Im Internet-Jargon nennt man solche Nutzer „Trolle“, weil sie wie Kobolde oder Dämonen nur darauf aus sind, zu provozieren und Unfrieden zu erzeugen. Nicht mal fünf Prozent der Internet-Nutzer erzeugen so ein Viertel bis die Hälfte aller Likes bei Hass-Kommentaren. D.h. sie unterstützen und bestärken Hass-Kommentare und tun dies so zahlreich, dass der Eindruck entsteht, als sei es die vorherrschende Meinung. Generalstabsmäßig wird dies organisiert und orchestriert.

Es gibt nur ein Gegenmittel zu dieser Art, Hass zu verbreiten: Die Stimme zu erheben und deutlich zu machen: es hat nicht automatisch derjenige Recht, der möglichst extrem, laut, unverschämt auftritt. Respektvoll miteinander umzugehen ist möglich, auch wenn man deutlich die eigene Meinung kundtut. Wenn man sich bei Diskussionen im Netz trifft muss gelten, was auch in der direkten Begegnung die Regel ist: Man muss sich streiten können, ohne dass man beleidigt oder Ziel von Hass wird.

Die Kultur von Hass-Kommentaren darf nicht normal werden, ich will mich nicht daran gewöhnen. Diejenige Minderheit hätte dann ihr Ziel erreicht, die sich durch Unverschämtheit einen Vorteil in den Diskussionen unserer Gesellschaft verschaffen möchte. Dass ist durchschaubar und dazu darf es nicht kommen!

 

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