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SWR2 Wort zum Tag

Vor etwas mehr als zwei Jahren habe ich Reem und Usayma kennengelernt. Die beiden Frauen sind gemeinsam aus Syrien geflohen. Im Herbst 2015 sind sie nach Deutschland gekommen – alleine. Ihre Kinder haben sie in der Heimat zurückgelassen. Sie wollten sie nicht der Gefahr aussetzen, im Mittelmeer zu ertrinken. Ihre Männer sind zuhause geblieben, weil sie in Syrien das notwendige Geld verdient haben, um die Familien zu ernähren. Dort verläuft damals die Frontlinie unweit ihres Hauses im Umland von Damaskus. Ihr Wohnviertel wird von der syrischen Armee kontrolliert. Im Nachbarviertel stehen ihr islamistische Milizen gegenüber. Immer wieder wird die Schule der Kinder beschossen. Im Wohnviertel verliert ein Mädchen durch eine Granate einen Arm.

Natürlich haben die Frauen ihr Land in der Hoffnung verlassen, ihre Familie möglichst bald nachzuholen. Aber so schnell geht es nicht. Jeder notwendige Schritt dauert und dauert. Immer wieder Ungewissheit. Wie lange noch? Klappt es überhaupt?

In diesen Tagen ist beschlossen worden, den Familiennachzug für Flüchtlinge mit subsidiärem Schutzstatus bis Juli weiter auszusetzen. Danach soll er dann nur stark eingeschränkt wieder zugelassen werden. Wenn ich das höre, denke ich an die vielen Gespräche mit den beiden Müttern. Ich bin selbst Vater. Wenn ich mir vorstelle, so lange von meinen Kindern getrennt zu sein, dann kommen mir fast die Tränen. Ich möchte es nicht und ich wünsche es keinem. Erst Recht nicht, wenn das Leben der Kinder tagtäglich vom Krieg bedroht ist.

Ich habe erlebt, was jeder Monat bedeutet, der verstreicht ohne das etwas geschieht. Es war brutal für die beiden Frauen. Auch für uns Außenstehende war es oft nur schwer zu ertragen.

Gemeinsam mit den beiden Frauen haben wir uns bemüht, auf eine Härtefallregelung zu drängen, damit die Familien schneller zusammenkommen. Aber wir mussten erfahren, dass Krieg nicht als Härtefall gilt.

Nach langem Hin und Her sind die Familien Gott sei Dank wieder vereint. Damit sind nicht alle Probleme gelöst. Eine der beiden Familien sucht noch immer dringend eine geeignete Wohnung. Es ist sicher für unsere Gesellschaft eine große Herausforderung, diese weitere Anzahl an Menschen aufzunehmen. Trotzdem bin ich dankbar, dass den beiden Müttern das Recht zugestanden wurde, hier bei uns in Sicherheit und Frieden ihre Kinder in die Arme zu schließen.

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