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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Novemberzeit ist Trauerzeit.
Dieser nebulöse Monat hat es in sich.
Dunkel, nass, kalt, ungemütlich-
Das passt
Das ist die richtige Kulisse für Trauer und Tristess.
Viele mögen deshalb den November gar nicht.
Trauernde Menschen aber schon.
Die finden ihn passend.
Endlich ein Monat, sagen sie,
der so ist wie wir.
Endlich stimmen drinnen und draußen überein.
Trauernde Menschen sind Novembermenschen.
Und ihre Trauerzeit ist wichtige Zeit.
Wer trauert, arbeitet ja an etwas ganz Großem.
Trauerzeit ist keineswegs verlorene Zeit.
Sie ist im Gegenteil die Zeit für Wertarbeit der Seele,
für mühselige Mühe.
Novembertrauer hat Tiefe auf höchstem Niveau,
weil die Trauer der Spiegel der Liebe ist.
Wer trauert - liebt.
Wer viel trauert, tut das nur,
weil er so viel lieb gehabt hat.
Novembertrauer ist darum so wertvoll und so kostbar,
weil sie sich Zeit nimmt für eine der wichtigsten Dinge des Lebens
nämlich die Spuren aufzuspüren,
die wir miteinander gegangen sind,
nachsinnen über die Nähe und Geborgenheit von Gestern,
die so weit getragen hat und die jetzt fehlt..
Und die Tränen, die dabei fließen,
sie sind die Perlen dieses Schatzes,
sind jede einzelne für sich ein Juwel der Verbundenheit,
stärker ist als der Tod.
Novemberzeit ist Trauerzeit.
Das stimmt.
Aber sie ist deshalb keine Unzeit,
oder gar verlorene Zeit.
Der November ist der Mai der Trauer.
Schonraum und Parkplatz für verwundete Seelen,
die sich im Schutz der Dunkelheit sammeln und schweigen.

Viel Nebel gibts in dieser Zeit.
Das passt auch.
Wenn man nämlich das Wort LEBEN einmal rückwärts liest,
dann kommt dabei bezeichnenderweise NEBEL heraus.
Im Nebel stehen und das Leben rückwärts betrachten
und bis auf Weiteres nicht wissen,
wie es weitergehen soll.
Keine Klarheit haben,
keinen Durchblick,
keine hellen Gedanken,
sondern schwere nur,
schwere Gedanken für einen schweren Mut.
Und trotzdem da sein,
und da bleiben
und wissen:
diese Zeit ist auch gelebte Lebenszeit,
dieser Schauer Trauer Monat hat auch seinen guten Grund.
Er schenkt uns den Platz, den wir brauchen
für unser Vermissen und Sehnen und Warten.
Weil alles seine Zeit hat,
wie die Bibel sagt:
Lachen und Weinen
Geboren werden und Sterben
Kommen und Gehen
Lieben und Leiden.
Alles hat seine Zeit
Und alle Zeit
steht in Gottes Hand.
Auch diese jetzt-mitten im November. https://www.kirche-im-swr.de/?m=2584