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SWR2 Wort zum Tag

„Das bedeutet, dass Pflege fair bezahlt werden muss!“ Im Religionsunterricht an der Altenpflegeschule habe ich neulich gelernt, eine alte biblische Geschichte neu zu verstehen.

Wir haben uns mit der Erzählung vom Barmherzigen Samariter aus dem Lukasevangelium beschäftigt. Jesus erzählt die Geschichte als Gleichnis: Ein Mann wird überfallen. Passanten, die man für anständige Menschen halten sollte, ein Priester und ein Tempeldiener, laufen einfach vorbei. Nur der Samariter, ein Ausländer, von dem keiner Hilfe erwartet, kümmert sich um den Verletzten. So wie er, sagt Jesus am Ende, sollt ihr auch handeln.

Ich habe die Männer und Frauen im Altenpflegekurs gefragt, welche Aussage der Geschichte für sie wichtig ist. Die meisten wählten die üblichen Schlüsselszenen aus. Einige aber haben sich für einen Satz entschieden, der sonst wenig Beachtung findet: Der Samariter bringt den Überfallenen in ein Gasthaus. Als er weiterzieht, gibt er dem Wirt Geld und sagt: „Pflege ihn! Wenn du noch mehr brauchst, will ich es dir bezahlen, wenn ich zurückkomme.“ (Lukas 10,35)

Pflege kostet – und sie ist etwas wert. Für die Auszubildenden in der Altenpflege war das die wichtigste Botschaft der Geschichte. Denn ihre Erfahrung ist eine andere. Personalmangel, Überstunden, schlechte Bezahlung und wenig Anerkennung – das ist leider oft Alltag in ihrem Beruf.

Deshalb habe ich große Hochachtung vor allen, die sich dennoch für diesen Beruf entscheiden und sich ausbilden lassen, um ältere Menschen gut pflegen und begleiten zu können. Und es ist für mich besonders bereichernd, mit ihnen über Texte aus der Bibel zu sprechen. Weil da im Kurs so unterschiedliche Menschen zusammenkommen: Jugendliche und Familienfrauen, Menschen aus dem Kosovo, aus Eritrea und Mauritius, Muslime und Christen aller Konfessionen. Und alle bringen ihre Fragen und Erfahrungen ins Gespräch. Das bringt mich immer wieder dazu, die vertrauten Geschichten in einem anderen Licht zu sehen – und etwas Neues daran zu entdecken. Zum Beispiel am Gleichnis vom Barmherzigen Samariter, der dem Wirt genügend Geld gibt für die Pflege des Verletzten:

Vorbildlich ist nicht nur, beherzt einzugreifen, wenn jemand Hilfe braucht. Vorbildlich ist auch: Diejenigen, die bereit sind zu helfen und zu pflegen, fair zu behandeln und großzügig zu bezahlen. So verstehen die Auszubildenden der Altenpflegeschule die Botschaft von Jesus. Und ich glaube: Sie haben recht!

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