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SWR3 Gedanken

„Es tut mir leid, ihr Kind hat Trisomie 21, das Down-Syndrom.“

Wie sie auf diese Auskunft des Arztes reagiert hat, weiß meine Bekannte selbst nicht mehr.

Bei einer Trisomie darf ein Kind auch nach der üblichen Frist noch abgetrieben werden.  Der medizinische Fortschritt bietet uns die Möglichkeit, Leiden zu verringern und Leben zu verlängern, aber auch die Möglichkeit, über das Ende eines Lebens zu entscheiden. Und genau vor diese schwierige Entscheidung sieht sich meine Bekannte gestellt.

Auf der einen Seite steht der sehr nachvollziehbare Wunsch nach Unkompliziertheit, uneingeschränktem Glück und unbeschwertem Leben. Die Angst vor einem Leben außerhalb der Norm, der Norm dessen was in unserer Gesellschaft eben als „normal“ gilt. Die verständliche Sorge um das behinderte Kind und die eigene, lebenslange Angebundenheit. Aus all diesen Gründen treiben auch 9 von 10 Frauen ein Kind mit der Diagnose Trisomie 21 ab.

Auf der anderen Seite steht schlicht die Liebe zu dem Ungeborenen. Und das Bedürfnis es zu schützen. Der Mut, sich nicht nach der Norm zu richten und die Andersartigkeit zu er-leben .

Meine Bekannte entscheidet sich gegen die Abtreibung und für das Kind. Ja, es wird anders aussehen als andere Kinder. Ja, es wird sich geistig niemals voll entwickeln und ein Leben lang auf Hilfe angewiesen sein. Ja, es wird einen Herzfehler haben. Das alles weiß sie schon nach wenigen Untersuchungen. Aber, so sagt sie, es ist ihr Kind. Es hat ein schlagendes Herz, einen Geist und wird fühlen, sehen, hüpfen und lachen können, ein Mensch sein.

Meine Bekannte will sich vorbereiten. Auf die mitleidigen oder vorwurfsvollen Blicke. Auf den Umgang mit der Behinderung. Auf Fragen, warum sie denn das Kind nicht abgetrieben habe.

Sie ist fest dazu entschlossen, ihrem Kind ein glückliches und erfülltes Leben zu ermöglichen.

„Weil Menschen eben nicht der Norm entsprechen, sondern glücklich sein sollen“, sagt sie.

„Weil das Leben eben nicht perfekt sein muss, sondern schön.“

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