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SWR3 Gedanken

Eine große Schale Weihnachtsgebäck steht auf unserem Esstisch. Mein kleiner Sohn Fred nimmt einen Zimtstern. Und weil er immer Bescheid wissen möchte, fragt er: „Woher kommt eigentlich Zimt?“ Puh – da komme ich ins Stottern: „Äh - mit Gewürzen kennt sich Mama besser aus.“ Und die weiß es tatsächlich: „Zimt kommt von weit her. Früher gab es ganze Karawanen, Kamele voll beladen mit Zimt, und deshalb war es auch so kostbar.“

Fred murmelt „Aha, kostbar“, und schon geht das Fragen-Pingpong weiter. Sein kleiner Bruder Tom nimmt einen Lebkuchen ins Visier und fragt: „Und Lebkuchen? Wo kommt der her?“ Auch da kennt sich Mama besser aus als ich. Sie sagt: „Lebkuchen war früher eine Arznei. Ein Kuchen, in den man alle gesunden Sachen reingetan hat, damit Kranke geheilt werden.“ „Wie Globuli?“, fragt Tom. „Ja, ein bisschen so. Auf jeden Fall heilsam“, antwortet meine Frau.

Christstollen mögen beide Kinder nicht so, aber sie schlecken mit Hilfe ihrer Zeigefinger gerne den Puderzucker runter. Und dann kommt unvermeidlich die nächste Frage:„Warum ist denn da Puderzucker drauf?“ Endlich eine Frage aus meinem Fachgebiet. Ich antworte: „Man sagt, der Stollen ist mit Puderzucker umwickelt, dass er aussieht wie das gewickelte Jesuskind in der Krippe.“ Fred muss lachen: „Eine Puderzucker-Windel – da würden wir auch wieder Windeln wollen, gell Tom!“

Und so gehen die Fragen und die manchmal etwas hilflosen Antworten weiter. Und ganz nebenbei inspirieren mich Zimtsterne, Lebkuchen und Christstollen zu weiteren Fragen. Der Zimtstern könnte mich fragen: Was ist dir besonders kostbar? Der Lebkuchen könnte wissen wollen: Wo wünschst du dir in deinem Leben Heilung? Und die Frage des Christstollens wäre: Welche inneren Werte möchtest du in Zukunft besonders zur Geltung bringen? Das sind Fragen, die mich auch noch beschäftigen werden, wenn das Weihnachtsgebäck längst alle ist.

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