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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Zwischen den Jahren“ sind wir jetzt. Die Zeit nach Weihnachten bis zum Anfang des Neuen Jahres nennt man so. Zwischen den Jahren. Es ist eine ganz besondere Zeit. Eine Zwischenzeit eben. Irgendwie ist egal, was für ein Wochentag  gerade ist. Unsere Vorfahren haben dieser Zeit eine ganz besondere Würde zuerkannt, es war verpönt in dieser Zeit Wäsche zu waschen, zu Nähen, zu Spinnen, die Ställe auszumisten.

Noch nicht einmal Staub wischen sollte man. Nichts vor die Tür kehren.Immerhin versprach man sich die Erfüllung aller schönen Träume, die in den langen Nächten zwischen den Jahren  geträumt worden sind. Das Gesinde hatte tatsächlich frei, man nahm sich Zeit zu gegenseitigen Besuchen.

Ein weiterer Grund für die Rede von Zwischen den Jahren hat darin seinen Ursprung, dass es ganz lange Zeit unterschiedliche Regelungen für den Beginn des Neuen Jahres gegeben hat.

Da konnte es vorkommen, dass in 2 benachbarten Orten das Jahr jeweils zu einem anderen Termin begann. Erst im Mittelalter hat endlich Papst Innozenz XII für alle den 1. Januar als Jahresanfang festgelegt.

Zwischen den Jahren ist bis heute eine besondere Zeit. Kein Wunder, dass dafür auch besondere Lieder des Glaubens entstanden sind. Zum Beispiel das Lied von Paul Gerhard:

„Nun lasst uns gehen und treten
Mit Singen und mit Beten
zum Herrn, der unserm Leben bis hierher  Kraft gegeben.
Wir gehen dahin und wandern
von einem Jahr zum andern.

Wir leben und gedeihen
vom alten bis zum neuen
durch so viel Angst und Plagen
durch Zittern und durch Zagen
durch Krieg und große Schrecken,
die alle Welt bedecken.

Ach Hüter unseres Lebens
fürwahr es ist vergebens
mit unserem Tun und Machen
wo nicht dein Augen wachen.

Sprich deinen milden Segen
zu allen unseren Wegen
lass Großen und auch Kleinen
die Gnadensonne scheinen.“

Paul Gerhardt wusste also um den besonderen Geist dieser Zeit –und bittet deshalb um Gottes Segen. Und den wünsche ich Ihnen auch!

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