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SWR3 Gedanken


Viele Kinder denken, er kommt vom Nordpol, der Nikolaus. Oder er sei Angestellter einer amerikanischen Limonadenfirma. Dabei stammt er aus dem Land, das der Papst letzte Woche besucht hat, aus der Türkei.
Damals war Nikolaus’ griechische Heimat, Lykien, fest in römischer Hand, gegen Ende des 3. Jahrhunderts. Die blutigen Gladiatorenspiele, diese Gewaltverherrlichung als Freizeitunterhaltung widern ihn an. Nikolaus selbst ist im christlichen Glauben erzogen worden, einer Religion, die die Militärmachthaber unterdrücken. Wie alle Christen muss auch Nikolaus seinen Glauben im Verborgenen praktizieren. Das religiöse Leben findet nur an versteckten Orten statt. Diese Erfahrungen prägen ihn für sein Leben.
Nikolaus lernt Mut, sieht Menschen für ihre Rechte kämpfen und erlebt, wie der Glaube ihre Gemeinschaft stärkt. Als Jugendlicher hat er zu verkraften, wie in kurzer Zeit beide Eltern durch eine Seuche sterben. Das Erbe erlaubt es dem jungen Nikolaus, anderen Menschen zu helfen. Berühmt ist die Geschichte, wie er drei völlig verarmte Töchter vor dem Schicksal der Prostitution bewahrt – ihr Vater konnte keine Mitgift aufbringen. Nikolaus wirft heimlich drei Goldklumpen in ihre Wohnung. Daher kommt wohl der Brauch des Schenkens. Mit diesen drei Nuggets in der Hand steht heute eine moderne Monumentalstatue von Nikolaus vor der Kirche San Nicóla im süditalienischen Bari. Ein Geschenk aus Russland. Dort wird Nikolaj besonders verehrt als der Heilige der orthodoxen Christenheit.
Kaufleute aus diesem Bari haben vor 900 Jahren die Reliquien des Bischofs Nikolaus nach Bari „überführt“. War es der Seefahrer-Glaube an einen Helfer aus Seenot? War es der Wunderglaube an das Nikolaus-Öl, das viele Wallfahrer von überall anzog und von dem man im kleinasiatischen Myra so gut lebte? Oder stand hinter dem frommen Raub einfach eine nüchterne Geschäftsidee? In Bari werden noch heute „Manna-Fläschen“ verkauft, kein Witz!, hergestellt aus dem Kondenswasser, das sich an seinem Sarkophag in der Krypta bildet, homöopathisch verdünnt.
Es gibt viele Legenden über ihn, fromme und kommerzielle. Aber all die konnten den wahren Nikolaus nicht totkriegen – ein Freund der Kinder, großzügig. Wir können entdecken, wie er Menschen verbindet über Kultur- und Konfessionsgrenzen hinweg. Wunderbar! Und solch eine Verbindung brauchen wir heute dringend.
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