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SWR2 Wort zum Tag

Meine Schüler, 9. Klasse, schrieben Fragen auf zum Thema: Leben nach dem Tod.
‚Wenn es so etwas gibt: wie soll ich mir das vorstellen? Hat mein jetziges Leben Auswirkungen darauf? Ist es denkbar, dass ein Teil der Menschheit verurteilt, der andere freigesprochen wird? Kann ich nach einer Verurteilung noch auf Begnadigung hoffen? Werde ich Leute treffen, die ich vermisse?‘

Nach dieser Fragerunde habe ich mit ihnen das Gleichnis vom Reichen Mann und armen Lazarus gelesen. Dieser wird nach seinem Tod aufgenommen in „Abrahams Schoß“, d.h. er wird für sein furchtbares Leben entschädigt, er muss nie mehr Mangel leiden, er ist geborgen und geliebt. Der Reiche hingegen muss in der Hölle schmoren. Nicht, weil er reich war und gut lebte, sondern weil er den Armen vor seiner Tür nicht beachtete und ihm keine Barmherzigkeit erwies. Als der Reiche um Linderung seiner Qualen fleht, wird ihm gesagt, dass der Abgrund zwischen Himmel und Hölle unüberbrückbar sei. Und als er darum bittet, wenigstens seine Brüder warnen zu dürfen, heißt es: Die wissen schon, was sie zu tun haben. Die 10 Gebote kennen sie, darüber hinausgehende himmlische Botschaften sind nicht nötig.

Ein Gleichnis, gewiss. Aber manche der Schüler-Fragen lassen sich damit beantworten: ‚Ja, es spielt durchaus eine Rolle, wie ich mein Leben vor dem Tod gestalte, ob ich - auch im weitesten Sinne - einen Blick habe für den Menschen vor meiner Tür.‘ Bedrohlich mag das klingen, für mich und alle, denen es gut geht. Tröstlich hingegen für den, der Mangel leidet, der nicht am Leben teilhaben kann. Es wird eine letzte Gerechtigkeit geben, sagt die Geschichte.

‚Also muss ich Gutes tun, um in den Himmel zu kommen?‘ fragt ein Schüler.
Nein,‘ sage ich. ‚Das Tun allein entscheidet nicht. Es ist die Haltung, die Einstellung des Herzens. Viele sind in diesem Land reich beschenkt. Aber es gibt Arme, Hilfsbedürftige, sie sitzen vor der Tür. Wer sieht sie und hilft ihnen? Wer erkennt, dass sie genauso wertvoll sind wie ich und ihr?‘

‚Mir tut es weh, wenn ich jemanden so leiden sehe‘, sagt eine Schülerin. ‚Und ich glaube, dieser Schmerz ist es, der über das Leben nach dem Tod entscheidet.
Es ist Gottes Schmerz, und wer diesen spürt, wird auch helfen.‘

‚Aber wer ihn nicht spürt, wer nur an sich selber denkt, der kriegt seine Quittung,‘ sagt jemand. Und fügt noch hinzu:
‚Hart, aber fair.‘

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