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SWR2 Wort zum Tag

Künftig werden wir uns vermutlich das Handy einfach vors Gesicht halten; die Kamera macht ein Bild; blitzschnell wird dieses mit dem im Speicher hinterlegten dreidimensionalen Bild abgeglichen. Schon ist das Handy „entsperrt“. Ich wurde erkannt, autorisiert! Du darfst mich benutzen, sagt mir mein Handy! Die meisten großen Handy-Hersteller arbeiten offenbar an der sogenannten „Gesichtserkennung“.

Mir fällt dazu der liebevoll ironische, vor allem aber so lebenskluge Satz von Albert Schweitzer ein: Demnach hat mit zwanzig Jahren jeder das Gesicht, das Gott ihm geben hat. Mit vierzig Jahren hat man das Gesicht, das einem das Leben gegeben hat, und mit sechzig habe ich schließlich das Gesicht, das ich verdient habe.

Ob die Ingenieure von Apple oder Samsung das einberechnen werden? Und mein Gesicht verändert sich ja nicht nur über die Jahrzehnte. Mein Gesicht zeigt sehr oft und sehr unmittelbar meine aktuelle Stimmung - leider oder zum Glück? Und wenn ich mich besonders verknautscht und hässlich finde, muss ich mir auch noch eingestehen: Das ist jetzt Dein Gesicht, so hast Du es  dir verdient!

Aber mit welchem Gesicht will ich eigentlich erkannt werden? Nicht von meinem Handy, sondern von meinem ganz menschlichen Gegenüber? Mit dem Gesicht, wie es mir Gott gegeben hat, oder meinem Gesicht, wie es vom Leben gezeichnet ist, gezeichnet von vielen hellen, aber auch von reichlich dunklen Stunden. Und warum nicht auch erkannt werden, mit dem Gesicht, das ich mir verdient habe, so wie ich eben bin!

Muss mein Gesicht dem Bild entsprechen, das im Kopf der anderen abgespeichert wurde?

Und wie erkenne ich selbst eigentlich das Gesicht meines Gegenübers? Ich befürchte, oft genug passiert es so: Blitzschnell gleiche ich es ab, mit dem Gesicht, das in meinem Kopf gespeichert ist, alte Geschichten, gute und schlechte. Halte ich ein Gesicht aus, das der andere sich verdient hat, im Laufe der Zeit?

Der Mensch ist geschaffen nach dem Abbild Gottes, so steht es in der Bibel. Jedes Gesicht, das mir begegnet, ist also auch ein Ebenbild Gottes. Das macht jedes Gesicht -auch meines - unendlich kostbar! So wie es ist!

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