Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR4 Abendgedanken

Baum gepflanzt. Sohn gezeugt. Haus zumindest renoviert. Damit habe ich eigentlich jetzt alles erledigt, was ein Mann in seinem Leben tun sollte. Jedenfalls nach dem Sprichwort. „Ein Mann sollte in seinem Leben einen Baum pflanzen, einen Sohn zeugen und ein Haus bauen“.

Verstehen Sie mich aber bitte nicht falsch: Ich will nicht sagen: Seht, was für ein toller Mann ich bin. Ich frage mich eher: und jetzt?  Hände in den Schoß legen – und für den Rest des Lebens warten? Auf was denn? Das kanns ja irgendwie nicht gewesen sein, oder?

Die Antwort in der Bibel ist klar. Ich sollte an meinem Haus weiterbauen. An meinem Lebenshaus. In einem der vielen Briefe von Paulus in der Bibel wird das so erklärt:

Ich selbst bin ein Bauwerk von Gott. Gott selbst hat das Fundament gelegt für mein Leben. Das ist mein Glaube, der mich trägt. Und meine Aufgabe ist es jetzt, an diesem Haus zu bauen. Ich suche mir für mein Arbeitszimmer einen guten Platz und schaue, dass mein Hobbyraum groß genug ist.

Und, wenn dann mein Lebenshaus mal steht, heißt es immer wieder renovieren, es energetisch und technisch auf dem neuesten Stand zu halten. Ich glaube jeder, der ein Haus oder eine eigene Wohnung hat, weiß, was das heißt. Es gibt eigentlich immer was zu tun.

Und so kann auch immer etwas Neues entstehen. Egal, wie alt jemand ist.
Denn, wenn ich mein Leben so verstehe, dann werde ich nie fertig. Wenn mein Lebenshaus schon ein bisschen älter ist, dann braucht es um so mehr Pflege. Das geht dann vielleicht auch irgendwann nicht mehr allein. Man braucht Hilfe von anderen. Und trotzdem kann auch hier noch was Neues entstehen. Ich muss neue Wege gehen, weil das, was sich bewährt hat, vielleicht nicht mehr geht.

Das wichtigste ist dabei aber für mich. Ich bin bei meinen Um- und Anbauarbeiten nicht allein. Viele Menschen bauen ihr Lebenshaus direkt neben meinem. Wir können uns gegenseitig unterstützen. Und Gott hilft mir auch. Er selbst hat schließlich das Fundament für mein Leben gelegt. Darauf kann ich bauen.

Das heißt für mich: nicht die Hände in den Schoß legen. Im Gegenteil. Schaufel in die Hand nehmen und weiterbauen. Jeden Tag. Und ich bin wirklich gespannt, was sich an meinem Haus noch alles verändern wird.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25031