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SWR4 Abendgedanken

Hunde sind auch nur Menschen. Doch wirklich. Das hat mir die Trainerin erklärt, als ich das erste Mal mit unserem Hund auf dem Hundeplatz trainiert habe.

In dem Moment musste ich – zumindest innerlich – schon ein bisschen grinsen: Übertreibt sie da nicht ein bisschen? Aber mittlerweile muss ich sagen, dass ich verstehe, was sie gemeint hat.

Denn: Seitdem ich einen Hund habe, verstehe ich manche Menschen viel besser: Wie ich das meine? Nun ja, wenn ein Hund Angst hat oder er sich unsicher fühlt, dann zieht er sich entweder zurück, oder wird aggressiv. Er macht sich ganz klein und fühlt sich wehrlos. Oder er fängt an zu knurren und zu bellen, um die anderen einzuschüchtern. Er kann einfach nicht anders.

Bei Menschen ist das manchmal auch so. Manchmal fragt man sich doch, warum reagiert jemand so aggressiv. Vermutlich auch, weil er oder sie nicht anders kann. Vielleicht fühlt er sich angegriffen. Oder vielleicht hat er Angst sein Gesicht zu verlieren. Vielleicht ist jemand auch einfach nur unsicher und reagiert deshalb so heftig. Oft ist das der Grund, warum Konflikte eskalieren. Niemand möchte Schwäche zeigen. Sein Ansehen verlieren, oder seine Stellung.

Ich glaube, dieses Phänomen gab es schon immer. Deshalb war es wichtig, dass Jesus gesagt hat: Das muss so nicht sein. Es ist nicht schlimm, Schwäche zu zeigen. Es kann auch ganz anders gehen. Meine Kraft kommt gerade in der Schwäche voll zur Geltung.

Ich weiß, dass das nicht immer so einfach ist. Niemand ist gerne schwach. Fehler einzugestehen ist schwierig. Sich zu entschuldigen braucht ganz viel Mut. Und es kostet Kraft.

Aber Gott schenkt mir die Kraft, die mir manchmal fehlt. Bloß: diese Kraft von Gott, die spüre ich erst, wenn ich die Schwäche auch zeigen kann. Erst dann können mir ja auch andere helfen: wenn ich sage und zeige, wie schwach ich mich gerade fühle. Ein anderer kann dann sehen was mir Angst macht und mich unterstützen. Ich glaube, so wird Gottes Kraft sichtbar. Vor allem, wenn es kein sinnloses Kräftemessen gibt, wo einer immer stärker sein will als der andere. Sondern ein Miteinander, das alle weiterbringt.

Hunde sind keine Menschen. Aber trotzdem habe ich das von meinem Hund gelernt.

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