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SWR3 Gedanken

1000 Lügen. Eher beiläufig bin ich über diese Zahl gestolpert. 1000 mal nicht die Wahrheit gesagt in gerade mal sieben Monaten. Amerikanische Journalisten haben nachgeprüft und sind beim amerikanischen Präsidenten auf etwas mehr als 1000 Treffer gekommen. Im Mittel sind das fünf Lügen pro Tag. Wohlgemerkt nur jene, die  öffentlich bekannt geworden sind. Dass der mächtigste Mann der Welt ein lockeres Verhältnis zur Wahrheit hat ist nicht neu. Überraschend für mich ist, dass es mich inzwischen immer weniger aufregt. Ich gewöhne mich allmählich daran, weil es so häufig passiert und das erschreckt mich. Ich gewöhne mich an Lügen. Darum ist auch das dauernde Gerede über Fake-News, also frei erfundene Nachrichten, so verheerend. Wenn nämlich letztlich alles erfunden und erlogen, so oder auch anders sein kann, dann wird es irgendwann gleichgültig. Wahr oder nicht, ist doch sowieso egal. Ist es aber nicht! Weil ich am Ende auch niemandem mehr vertraue.

Wahrheit. Für die Bibel ist das sogar ein anderes Wort für das, was Gott ausmacht. Er sei gekommen, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen, sagt Jesus im Verhör vor dem römischen Statthalter Pilatus. Es geht um Leben und Tod. Der Machtmensch Pilatus hingegen kapiert nicht mal, wovon Jesus überhaupt redet. „Was ist Wahrheit?“, fragt er nur. Was wahr ist interessiert ihn dabei weniger. Die Sicherung seiner Macht und seines Ansehens dagegen umso mehr. Es scheint so, als habe sich daran bis heute nicht wirklich viel verändert. Wenn ich das nicht einfach hinnehmen will, dann bleibt mir nichts anderes übrig, als selber wahrhaftig zu sein und es auch von anderen einzufordern.

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