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SWR3 Gedanken

Die Kleingartenanlage hinter meinem Haus ist eine kleine grüne Oase. Neben Gärten, in denen die Blumen und Möhren exakt in Reih und Glied gepflanzt sind gibt es einige wenige, in denen Pflanzen wachsen dürfen, wie sie wollen. Manchem ordentlichen Kleingärtner stinkt so was gewaltig. Ich freue mich immer daran. Denn in solchen vermeintlich ungepflegten Gärten wachsen auch Gräser und Wiesenblumen, die für viele Hobbygärtner nur lästiges Unkraut sind, das herausgerissen gehört. Für Insekten, Vögel und anderes Kleingetier aber sind sie oft lebenswichtig. Aber auch die teilen wir ja gern in Nützlinge und Schädlinge ein, die man am besten schnell ausrotten sollte.

Manchmal, wenn ich mir diese Gärten anschaue, in denen Blumen und Salatköpfe exakt in Reih und Glied stehen, frage ich mich allerdings, wie der liebe Gott das wohl gemeint hat, sich die Erde untertan zu machen. Denn das soll er ja zu den ersten Menschen gesagt haben. Akribische Ordnung und dazwischen kein Grashalm, der da nicht hingehört? Und wenn ich die Stadt verlassen, dann fahre ich durch endlose Mais- oder Getreidefelder. Sehe riesige Giftspritzen, um unerwünschte Mitbewohner auch dort gründlich fernzuhalten. Kulturlandschaften nennen wir das und das ist es ja auch. Wir, prägen der Erde unsere Kultur auf. Dass ist gar nichts Verwerfliches und wahrscheinlich ist es sogar nötig, um Milliarden von uns satt zu bekommen. Aber dass Gottes Ordnungsvorstellungen offenbar so ganz andere sind, das macht mich schon nachdenklich. Denn die finde ich eher in jenen Gärten, in denen alles so wächst und lebt, wie es will.

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