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SWR2 Wort zum Tag

Sr. Margret und Sr. Maria Goretti heißen die beiden Ordensschwestern, die ich vor kurzem in Afrika getroffen habe. Ich war im Südwesten Tansanias, nur wenige Kilometer vom Nachbarland Moςambique entfernt. 

Die Fahrt zu der Schwesternstation führt Stunden lang über unbefestigte Straßen. Selbst unser Landrover kommt oft nur schwer durch. Links und rechts stehen kleine Siedlungen mit strohgedeckten Hütten. Alles ist braunrot vom Staub. Viele Kinder winken uns zu. Sie sind so schmutzig, dass sie sich kaum von der Umgebung abheben. 

Es ist kaum vorstellbar, dass in diesem unendlich weiten und einsamen Buschland noch Menschen leben. Und doch tauchen immer wieder kleine Dörfer auf. Eines davon ist Mkenda. Hier leben Sr. Margret und Sr. Maria Goretti. Vor sieben Jahren sind sie von ihrem Vinzentinerinnen-Kloster in der Distrikthauptstadt Mbinga aufgebrochen, um ihr Leben mit den Ärmsten zu teilen. In Mkenda haben sie sich niedergelassen. In den ersten beiden Jahren haben sie in einer strohgedeckten Lehmhütte gelebt, so wie alle hier. Auch das Haus, in dem sie heute leben, ist mehr als bescheiden. Sie unterhalten hier einen Kindergarten und eine kleine Krankenstation. Die ist unter einem Strohdach mit offenen Seitenwänden untergebracht. Innen nur ein Eisenbett mit einer Matratze – sonst nichts, keine medizintechnische Ausstattung, nichts. Viel ausrichten können sie damit nicht. Bei größeren gesundheitlichen Problemen müssen sie die Patienten in die nächste Klinik schicken. Und doch kommen die Menschen gerade zu ihnen, oft von weit her. Weil hier jemand für sie da ist, nur für sie. Weil die Schwestern ihnen Zeit schenken, sich ihnen zuwenden. Ihnen mit Achtung begegnen. Allein die Präsenz der Ordensfrauen ist heilsam für die Menschen. 

Die beiden Schwestern empfangen uns sehr herzlich und freuen sich über unseren Besuch. So etwas ist selten hier draußen im Busch. Sie wirken aber auch bedrückt. So gerne würden sie viel mehr machen: eine neue, größere Krankenstation bauen, einen neuen Kindergarten, eine Grundschule. Pläne haben sie genug. Aber nichts geht voran. Die staatliche Bürokratie legt ihnen nur Steine in den Weg. Alles ist sehr mühsam und aufwendig. Und die Dorfältesten wollen die beiden Schwestern nicht hier haben – warum auch immer. 

Diese beiden Frauen sind mit großen Visionen aufgebrochen und stehen immer wieder vor Schwierigkeiten, vor denen ich schon lange resigniert hätte. Aber sie halten aus, weil sie die Menschen hier in ihrem unsäglich harten Leben nicht im Stich lassen wollen. Deshalb erzähle ich von ihnen und will ihnen dieses bescheidene Denkmal setzen.

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