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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Vorurteile- die Welt ist voll davon. Und manchmal frage ich mich: wer befreit uns von all diesen Irrtümern? Was hilft uns dabei, die Menschen so sehen zu lernen, wie sie sind? In einem berührenden kleinen Film habe ich gesehen, wie das gehen könnte.

Ein Ehepaar betritt mit ihrer Tochter das Wartezimmer eines Arztes. Die Tochter hat eine schwere Krankheit hinter sich und heute ist sie zur Kontrolle da.

Im Wartezimmer sitzt schon ein junger Mann. Schwarze Haare, dunkle Augen, braune Hautfarbe- ein südländischer, arabischer Typ. Die Tochter lächelt ihm kurz zu und will sich neben ihn setzen. Aber ihre Mutter zieht sie weg von dem Mann. Vielleicht ist er ja einer von den vielen Flüchtlingen. Und vor so einem will sie ihre Tochter lieber beschützen.

Dann ruft der Arzt die Familie herein und den jungen Mann gleich mit. Der bleibt vorsichtig an der Tür stehen. Er spürt, dass er von der Mutter nicht erwünscht ist.

Der Arzt sagt zu dem Mädchen: „Na, du hast dich aber prima von der Operation erholt…“ Alle nicken und strahlen. Dann legt der Arzt den Arm um den jungen Mann und sagt zu den Eltern: „Ich will Ihnen Djafar vorstellen. Er hat das Knochenmark für ihre Tochter gespendet.“

Recht so, habe ich zuerst gedacht. Sollen sich schämen wegen ihrer Vorurteile, die Eltern. Aber dann sind mir Situationen eingefallen, in denen ich genauso dumm dagestanden bin. Weil ich jemandem Übles unterstellt habe, weil ich mich ohne Grund bedroht gefühlt habe.

Der junge Mann hat nur schüchtern gelächelt. Er war einfach nur froh, dass das Misstrauen gegen ihn weg war. Dass man ihn endlich sehen konnte als den, der er war: einer, der nur helfen wollte. Und der schließlich das Leben der Tochter gerettet hat.

Ich glaube, so könnte es gehen, was schon die alten Propheten vorausgesagt haben: Und Gott wird uns von unseren Irrtümern befreien. Und da wird viel Freude im Himmel sein.

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