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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Dachau, Buchenwald, Auschwitz? – Keine Ahnung. Nie gehört.“ Kann nicht sein, denken Sie. Ist aber so. Umfragen haben ergeben: Jeder fünfte Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren weiß nichts über Auschwitz. Keine Ahnung also über den Ort, an dem im vergangenen Jahrhundert beispiellose Verbrechen verübt wurden. Die Nachricht macht betroffen. Nichts dran also an dem Vorwurf: „Es wird zu viel gesprochen von den Verbrechen der Nationalsozialisten. Einmal muss Schluss sein.“ Im Gegenteil. Die begangenen Verbrechen dürfen nicht verharmlost, die Schuld darf nicht vergessen oder verdrängt werden. Auch heute nicht. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 fand die so genannte „Reichspogromnacht“ statt. In ganz Deutschland wurden Synagogen, jüdische Friedhöfe und Geschäfte zerstört. 91 Menschen starben. Viele Juden wurden verhaftet. Das Datum gilt als Beginn der Vernichtungsaktionen gegen die jüdische Bevölkerung. Deshalb ist heute und in diesem Tagen Erinnerung wichtig. Denn nur wer sich erinnert, kann aus der Geschichte lernen. Wer sich erinnert, kann auch neuem Unheil vorbeugen. Schülerinnen und Schüler aus Trier haben sich in den vergangenen Tagen besonders intensiv mit Gewalt und Rechtsextremismus auseinandergesetzt. Im Unterricht und in ganz besonderen Aktionen: Da wurde ein Konzert vorbereitet, es wurden Fachleute befragt und Ausstellungen zum Thema organisiert. Mahnwachen erinnerten an besonderen Orten in der Stadt an Menschen, die zu Opfern wurden. „Yad Vashem“ – „Denkmal und Name“: So heißt die Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust in Jerusalem. Mich bewegt heute ein Wort, das diesen Ort prägt: „Das Vergessenwollen verlängert die Schuld. Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung.“
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