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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Schafe haben so eine beruhigende Wirkung, finde ich.
Am Wochenende war ich bei meiner Freundin im Westerwald. Wenn man bei ihr aufs „stille Örtchen“ geht, dann schaut man auf eine Herde Schafe – nur ein paar Meter weiter, direkt hinterm Zaun. Die weiden oder ruhen, dösen vor sich hin oder blöken. Immer alle schön dicht beieinander.
Schafe sind vielleicht nicht die schlausten Tiere, aber sie wirken so friedlich.
Ich könnte ihnen stundenlang zusehen…
Sicher mag ich sie auch so, weil sie mich an Bilder in der Bibel erinnern. Dort sind sie ein Sinnbild für Menschen mit großem Gottvertrauen. Weil Jesus und Gott wie gute Hirten sind, die ihre Herde schützen; und jedem noch so kleinen Schaf nachgehen, wenn es sich verlaufen hat.
Dieses Gottvertrauen ist am schönsten beschrieben im Psalm 23. Ein Gebet, das viele auswendig kennen und in schwierigen Situationen sprechen. Allein diese Worte zu sprechen, ist tröstlich:
„Der Herr ist mein Hirte“, beginnt der Psalm. „Mir wird nichts mangeln.“
Und dann: „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir.“
Mit dem „finsteren Tal“ ist nicht nur Unangenehmes gemeint. Genau übersetzt ist es eigentlich das „Tal des Todes“. Es geht also ums Ganze: um Leben und Tod.
Umso erstaunlicher finde ich den Psalm. Denn der Mensch betet in seinem Todestal: „Dennoch fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir.“
Er fürchtet kein Unglück, weil er seinem Hirten vertraut. Deshalb will er auch gar nicht so sehr vor einer Gefahr beschützt werden; er fühlt sich mitten in der Gefahr getröstet und geborgen. Weil sein Hirte da ist. Weil Gott da ist, ganz gleich, was geschieht; ganz gleich, wie es ausgeht; selbst wenn es tödlich endet.
Das ist Urvertrauen. Und davon erzählt der Psalm.
Ich muss nur den Schafen auf der Weide zusehen. Dann kommen mir die alten vertrauten Worte:
„Der Herr ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln.
Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal,
fürcht ich kein Unglück, denn du bist bei mir.“

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