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SWR2 Wort zum Tag

Manchmal ist es notwendig, etwas loszulassen, um die Freiheit zu retten. Es gibt ja vieles, was Menschen unbedingt besitzen wollen, woran sie festhalten. Das können große Dinge sein, berufliche Verantwortung z.B. oder ein selbstbestimmtes Leben im eigenen Haus. Es können Kleinigkeiten sein, Erinnerungsstücke oder einfach nur Plunder, der die Schränke füllt. Auch schlechte Gewohnheiten, die vielleicht zur Sucht tendieren. Davon „lassen“ zu können ist nicht so einfach, weil man daran hängt, oder weil „Es“ mittlerweile an einem hängt. Aber es ist eben manchmal auch sehr wichtig, damit das Leben weitergehen kann.

Diese Freiheit sieht der christliche Glaube in Gott begründet. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nicht nach Himmel und Erde, betet ein Mensch in der Bibel (Psalm 73). Dieser Mensch hat es in der Kunst des Loslassens anscheinend schon weit gebracht. Gott ist sein Ein und Alles. Hier ist er geborgen, hier erfährt er ein Glück, das selbst „Himmel und Erde“ ihm nicht bieten können.

Dabei ist es normal und natürlich, wenn Menschen danach „fragen“, wenn sie sich festhalten an dem, was ihnen Wohlbefinden und Schutz verspricht. Ich denke an meine Familie, an die Menschen, mit denen ich verbunden bin. Und ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, jemals freiwillig davon zu lassen. Ich denke aber auch an das Überleben der Schöpfung, an das Ende von Terror und Hunger.

Aber zugleich erfahre ich:
Es gibt etwas, das größer und wichtiger ist als alles andere. Etwas, das mein Leben mit all seinen Kostbarkeiten, meine Beziehungen und auch diese Welt überdauern wird. Es ist Gott selbst. „Gott haben“, das bedeutet für mich nicht, im alleinigen Besitz der Wahrheit zu sein. Sondern: Ein Du, ein ewiges Gegenüber zu haben. Geborgenheit und Trost finden in schwierigen Lagen.

Vergebung empfangen. Vor allem aber bedeutet es Hoffnung für mich selber und für die ganze Welt.
Loslassen ist nicht leicht. Ich hänge am Leben, an den Menschen, an schönen Dingen. Nach Himmel und Erde werde ich fragen, solange ich lebe, und ich tu es auch deshalb, weil Gott selber danach fragt und sich um seine Menschheit sorgt.

Aber ich glaube, dass diese Fragen und das Wünschen und Festhalten einmal aufhören. Dann wird es klar zutage treten: Gott ist die Antwort, Gott ist das Ziel. Und es macht Sinn, das Loslassen schon mal einzuüben.

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